Der Narzisst kann nichts in dir auslösen, was nicht vorher schon da war!

Der Narzisst kann nichts in dir auslösen,  was nicht vorher schon da war!

Wenn wir den Opfern von Narzissten aufmerksam lauschen, dann stellen wir ziemlich rasch fest, wie entsetzt, traurig, wütend und empört sie über dessen Verhalten sind. Er entwertet, beschimpft, bedroht und macht klein, er verschwindet für Tage oder Wochen, um dann wieder aufzutauchen, als wäre nichts gewesen. Er ist nicht in den Griff zu bekommen, er legt sich nicht fest, er schwankt zwischen Engel und Arsch.

Das Phänomen ist, dass die Opfer sich trotz dieser vielfältigen Leiden nicht befreien können. Wenn man sich in den Foren oder Opfer-Gruppen so umschaut, dann gibt es praktisch keinen einzigen Beitrag, in dem das Opfer sich lobend, wertschätzend oder anerkennend über den Narzissten äußert. Und doch steht am Ende häufig zu lesen: „Aber ich liebe ihn so sehr!“ Trotz vieler Schikanen, Gewalt und jahrelanger Demütigungen, gibt es praktisch in jedem Opfer einen inneren Anteil, der nicht loslassen kann und sich immer weiter zum Narzissten hingezogen fühlt. Wie lässt sich das erklären? Es ist doch für Außenstehende kaum nachvollziehbar, warum man immer wieder das Leid und den Schmerz sucht, Demütigungen und vernichtende Entwertung über sich ergehen lässt und dennoch immer wieder genau sich diesem Menschen mit diesem Verhalten nicht nur aussetzt, sondern geradezu magisch hingezogen fühlt.

Auf den ersten Blick scheint dies im krassen Widerspruch zueinander zu stehen und Angehörige der Opfer schütteln deshalb nur noch ratlos den Kopf und denken vielleicht für sich: „Der ist doch nicht zu helfen!“ Für diese Menschen steht einwandfrei fest: „Wer mir nicht gut tut, von dem trenne ich mich und wer sich nach einer zweiten Chance nicht ändert, den verlasse ich. So eine Partnerschaft brauche ich nicht“ und ihnen ist es ein Leichtes, sich daraus zu befreien. Anschließend sind diese Menschen glücklich und erleichtert, und machen sich auf die Suche nach einem Partner, der sie glücklich machen kann und will!“

Warum ticken wir Opfer von Narzissten so ganz anders? Warum scheinen wir quasi mit umgekehrten Vorzeichen zu agieren und re-agieren? Nun, die Antwort darauf ist so einfach wie vielschichtig. Wir wurden nämlich auch mit umgekehrten Vorzeichen geboren und erzogen. Ein Kind ist ein Geschenk, ein Wunder, das zumeist das größte Glück im Leben einer Mutter darstellt. Die Liebe zu einem Kind ist – in der Regel – so stark, dass sie trotz aller Belastungen, ein Leben lang hält. Ich habe immer zu meinen Kindern gesagt: „Die Liebe zu einem Kind geht niemals aus. Da kommt immer weiter was nach und was auch immer vorfällt, das Fass der Liebe zum Kind ist einfach immer voll und füllt sich immer weiter nach!“

Schön, wer mit einem solchen Gefühl aufwachsen darf, ein Geschenk für die Eltern und damit für die Welt zu sein. Doch was ist mit den Menschen, die dieses Geschenk nicht erhalten haben? Die sich vielleicht von Anfang an als Störfaktor erleben mussten, die unsicher waren, ob sie in dieser Welt einen Platz haben dürfen, die sich diesen gegebenenfalls verdienen müssen und die es ein Leben lang nicht schaffen, die Mutter oder wahlweise den Vater, glücklich zu machen? Die mit einem Gefühl der Schuld auf die Welt kommen, einem tiefen Bewusstsein von: „Ich muss für meine „Schuld“, am Leben zu sein, bezahlen. Ich muss mir diesen Platz täglich neu verdienen. Es sollte mich nicht geben und wenn es mich doch gibt, dann zahl ich einen hohen Preis dafür.“ Manche Mütter gehen gar so weit, dass sie den Kindern – meist den Töchtern – vermitteln, dass sie gerade wegen ihr…..die Karriere nicht fortsetzen konnten, auf so vieles verzichten mussten, nun auf eine Gegenleistung vom Kind warten und so das Kind ein Leben lang an sich binden und in einer Schuldnerrolle festhalten.

Dies nun bildet z. B. eine Basis für den Narzissten, auf der er andocken kann.  Er startet mit einer massiven Aufwertung unserer Person, wie wir sie ja bis dahin gar nicht kannten. Er verwöhnt uns mit Komplimenten, mit Aufmerksamkeit und endlich, endlich gibt uns jemand das Gefühl, willkommen und wertvoll zu sein. Dieses Beziehungsangebot können wir nicht ausschlagen. Selbst wenn wir „ordentlich“ verheiratet sind oder in einer eigentlich guten Partnerschaft. Der Narzisst erfüllt diese so tief liegenden Bedürfnisse, die eigentlich selbstverständlich von den Eltern hätten erfüllt werden müssen, die aber immer defizitär brach lagen, dass wir fast ein Gefühl bekommen, wie wenn wir sterben würden, wenn wir diese Liebe des Narzissten ausschlagen. Es ist wie ein großes Erwachen, wie ein Aufleben eines emotionalen Glücks, wie wir es nie erlebten. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Narzisst ansonsten ein passender Kandidat ist. Anfangs passt er sich eh so an, dass alles perfekt erscheint.

Nun denn, wir alle wissen, was nach einer Weile geschieht. Der Narzisst wechselt die Seite, er attackiert und entwertet uns, er löst exakt dieselben Schuldgefühle aus, die er uns anfangs genommen hat. Er gibt uns wieder das Gefühl, das so tief in uns schlummert und so furchtbar schmerzhaft ist: Ich bin nicht genug, ich habe es nicht verdient, ich muss mich mehr anstrengen, ich bin eine Last, ich bin falsch…. Genau diese Überzeugungen bringen uns dazu, immer mehr in die Anpassung und Anstrengung zu gehen. Wenn ich mich nur noch mehr….dann wird es bestimmt. Und wenn ich weniger empfindlich bin, dann klappt das schon mit ihm. Immerhin hat ja schon die Mutter immer gesagt, ich wäre so empfindlich. Damit sitzen wir in der Falle. Damit sitzen wir in der Fall. Damit sitzen wir in der Falle.

Diesen Mechanismus zu verstehen, das ist eine grundlegende Erkenntnis für den Weg in die Freiheit. Der Narzisst benutzt dieselben Fallstricke, auf die wir schon früh konditioniert wurden. Er hält uns mit denselben moralischen Handschellen gefangen wie unsere Mutter oder unser Vater. Er benutzt dieselben Strategien, um uns zu mehr Leistung, mehr Anpassung, mehr Geduld und mehr Demut zu bewegen. Was für ein Leben und was für eine Gemeinheit. Aber – und genau darin liegt auch unsere Chance – wenn wir die Fallstricke entlarvt haben und wenn wir beginnen, uns mit dieser destruktiven Basis zu beschäftigen, anstatt mit dem Finger auf den Narzissten zu zeigen, dann fangen wir an, unseren Weg in die Freiheit zu beschreiten. Er ist nicht die Lösung, denn er war auch nicht unser Problem. dieses ist schon viel, viel älter und wurde auch nicht kausal vom Narzissten verursacht. Er hat es nur erneut in unsere Leben geholt.

Wenn wir diese Zusammenhänge verstanden haben, dann können wir uns in den Prozess der Verarbeitung begeben und dahinter ist das wahre Leben. Das, in dem wir sein dürfen, wer wir wirklich sind, in dem wir eigenständig und stark sind, in dem wir aufblühen zu unserer wahren Größe, in dem es keine Manipulatoren mehr gibt, die Macht über uns gewinnen können. Möge die Macht mit DIR DIR DIR sein!

Menü schließen
>