Der Schmerz der Zurückweisung

Der Schmerz der Zurückweisung

Wusstest du, dass es für unser Schmerzzentrum im Gehirn keinen Unterschied macht, ob der Schmerz seelischer oder körperlicher Natur ist? Es macht also für das Erleben, das Empfinden und auch am Ende unsere Reaktion keinen Unterschied, ob du Liebeskummer hast oder ob dir jemand mit dem Hammer auf den Finger haut! Nachweise hierfür haben Untersuchungen im MRT gezeigt, Körperschmerz und Seelenschmerz aktivieren im Gehirn dasselbe Zentrum, selbst Zurückweisung konnte im Gehirn als Schmerz erkannt werden, im selben Areal, wie wenn man den Probanden mit einer Nagelspitze in die Haut stach!

Das sind wichtige Erkenntnisse, sehr wichtige sogar. Wir sprechen also völlig zurecht vom Herzschmerz, vom Liebeskummer, vom schier unerträglichen Leiden bei Zurückweisung, bei Kontaktabbruch eines geliebten Menschen, bei – nicht nachvollziehbarem – kalt-gestellt-Werden!

Als Partner (Ex-Partner) von Narzissten haben wir alle Stadien dieses toxischen Kreislaufs immer und immer wieder erlebt. Manche 10 x und manche 100 x bis zum Ausstieg! Oder bis zum abserviert-Werden durch den Narzissten. Unsere Psyche, aber auch unser Körper, ist also in einer dauerhaften Überbeanspruchung, in einem ständigen Überlebensmodus, und…..dadurch, dass wir ständig in die Wiederholung und nicht in den Ausstieg gehen….auch in permanenter Hilflosigkeit!

Wer hat die Macht?

Wir erleben uns selbst als machtlos und den Narzissten als übermächtig! Zu Beginn war das selbstverständlich anders. Da gab uns ja der Narzisst das Gefühl, wir wären die Prinzessin seines Lebens, er stellte uns auf einen Podest, und gab sich fast unterwürfig in seinem Umwerben und in seinen Liebesbeteuerungen. So witterten wir natürlich keine Gefahr, er war doch so hinter uns her, so verliebt in uns, vielleicht sogar viel mehr als wir in ihn – zu Beginn – was sollte da also passieren. Er schmuste uns weich, mit permanenten Liebesbekundungen, kleineren und größeren, wir hörten Worte, nach denen wir uns schon lange gesehnt hatten, wir wurden gebadet in einem Gefühl der Anerkennung, des angenommen-Seins, des nach-Hause-Kommens, des endlich „ICH BIN OK, SO WIE ICH BIN!“ und „ICH BIN LIEBENSWERT!“ Gerade diese Gefühle sind uns die Mutter oder der Vater häufig schuldig geblieben in der Kindheit, so scheint uns der Narzisst diesen uralten Schmerz, diesen lange gespürten Mangel zu heilen und zu füllen. Endlich kommt ein Mensch in unser Leben, der uns eine „Lebensberechtigung“ gibt, der uns fast eine Absolution erteilt für all die Selbstzweifel, all die Schwächen, all die Unzulänglichkeiten, mit denen wir uns plagen. Mit den Schuldgefühlen, überhaupt geboren zu sein oder nie genug zu sein…Er scheint unseren inneren Kampf um Anerkennung zu heilen, unseren Schmerz nach gesehen-Werden!

Genau dieses wunderbare Gefühl ist es am Ende auch, das uns nicht aussteigen lässt. Wir sind im Kindermodus, wir brauchen ihn als den großen „Heiler alter Wunden“, auch wenn der Preis, den wir bezahlen, viel zu hoch ist. Auch wenn alles nur Maske und Verblendung ist. In Wahrheit ist der Narzisst ein noch viel verletzterer Mensch, als wir es sind. Ein noch bedürftigerer, ein noch abhängigerer, ein noch „leererer“. Hast du mal darüber nachgedacht, warum alle Narzissten dieselben Manipulationen anwenden? Anfangs die große Liebe (vorspielen) – dann die Abwertung – Kritik – Zurückweisung – Schweigen – Untertauchen – Kontaktabbruch – Blockieren – dann wieder auftauchen – Liebesschwüre (schon gepaart mit kritischen Worten und der Aufforderung, seinen Wünschen und Bedürfnissen nachzukommen). Die für uns so wichtigen Gefühle der Bestätigung (Ich bin ok, so wie ich bin), gibt es nur noch zu einem immer höher werdenden Preis. Er zieht die Daumenschrauben an, er peitscht unsere Seele mit genau dem Schmerz, den er anfangs vorgegeben hat zu heilen!

Tut er das mit Absicht,

und/oder könnte er es ändern, werde ich oft gefragt! Am Ende muss man sagen, dass er nicht anders kann (aus seiner eigenen Verletzung heraus), dass uns das aber nicht interessieren DARF! Wir müssen unsere Haut retten, wir haben so viel zu verlieren, unsere Gesundheit, unseren inneren Frieden, unser Gleichgewicht, unsere Würde! Es ist ein teuflischer Tanz, den wir da aufführen, es ist ein dem Untergang geweihter pas-de-deux!

Ich weiß, wie schwer es ist, loszukommen und wie alleine man sich anfangs fühlt – ohne den Narzissten. Auch wenn alles nur noch eine Qual war, auch wenn man weiß, dass man aussteigen muss, wenn man überleben will, dennoch: Erstmal fühlt man sich eben NICHT besser, wenn der Narzisst weg ist. Erstmal kommt man wieder in diesen alten Schmerz, erstmal ist das Gefühl der Wut und Ohnmacht so riesengroß, dass man meint, daran zu ersticken, er niemals überwinden zu können. die Enttäuschung ist so unfassbar gigantisch, dass man doch lieber immer wieder in die Illusion zurück geht, in die Abhängigkeit, in den Strudel aus Missbrauch und Erniedrigung. Und wenn das gute Gefühl nur noch zu 1% erlebt wird mit dem Narzissten, so nimmt man die 99% Schmerz in Kauf.

Wie lange wird deine Seele diesen Missbrauch, diesen Verrat an dir selbst mitmachen? Wie lange wird dein Körper diese permanente Überbeanspruchen verkraften, bis sich Symptome zeigen?

Wir reden hier nicht von einer unguten Sache! Wir reden von Missbrauch auf höchster Ebene. Von Lebensgefahr für Leib und Seel`!! Bitte mach dir dies bewusst. Du hast dich verfangen, verstrickt in einer Geschichte, in denen letztlich beide Opfer sind. Nur wird der Narzisst zum Täter, um so seinen Opferstatus zu verlieren, wobei du schwächer und schwächer wirst, mit jeder Woche, mit jedem Monat, mit jedem Jahr. Auch wenn es sich anfangs nicht gut anfühlt, auszusteigen, so ist es doch der richtige und einzige Weg, der dich am Ende wieder glücklich sein lässt und zu dir selbst zurück führt.

Aber wie soll das gehen?

Häufig fallen Freunde auf dem Weg der Abhängigkeitsauflösung weg, sie waren oder sind überfordert, sie waren oder sind hilflos. Und, sie sind nicht professionell ausgebildet, verfügen nicht über die notwendige Distanz. Wenn du lange und tief verstrickt bist, wenn du schon etliche Ausstiegsversuche unternommen hast, die gescheitert sind, wenn du verzweifelt bist oder auch Angst vor der Zukunft hast, wie alles kommen wird ohne ihn, dann such dir professionelle Hilfe.

Lass deinen Körper und deine Seele nicht im Stich! Ich habe es selbst erlebt, wie schwierig es ist, diese Verstrickungen zu lösen, 1000 Fäden, und man weiß nicht, wo man mit dem Abschneiden beginnen soll! Auch ich habe es damals (nur) mit Hilfe einer Therapie geschafft, obwohl ich selbst Therapeutin bin und obwohl ich noch immer viele Freunde und Familie hatte, die zu mir standen.

Es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen, sondern klug! Du studierst auch nicht Jura, wenn du einen Nachbarschaftsstreit hast, oder Medizin, wenn du eine OP brauchst. Nur bei der Psyche denken wir immer, wir wären schwach, wenn wir es nicht alleine schaffen. Was für ein Quatsch! Ganz viel ist Bio-Chemie, ganz viel ist Prägung und erfordert ein tiefes Verständnis von Gehirnaktivitäten und psychischen Mechanismen.

Und ob dein Partner ein Narzisst ist oder nicht! Am Ende gilt es nur die 1 Frage zu beantworten: Tut er mir gut oder tut er mir nicht gut! Das ist alles, was zählt! Hol dir Hilfe, wenn er dir (schon lange) nicht mehr gut tut! Du wirst nicht eines Tages aufwachen, und er wird dir egal sein. Darauf hofft man vielleicht, das ist auch verständlich, aber so funktioniert eben Abhängigkeit nicht. DU musst aktiv werden, wenn DU ein anderes Leben haben willst. DU musst dir Hilfe holen, wir Therapeuten können sie nur anbieten. DU musst dich begleiten lassen, um zu einer Lösung zu kommen und damit heraus aus dem Chaos. DU musst die „Schnauze voll haben“ von all dem Leid,  dem Schmerz und Irrsinn! Dann kann z. B. ICH dir die Hand reichen, dir Wege aufzeigen, dich begleiten und unterstützen. Es ist kein Kinderspiel, sich aus einer Abhängigkeit zu befreien, aber es ist möglich! Und dahinter wartet das LEBEN, das echte Leben, das wahre Leben, die Freiheit!

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