Die Beziehung mit (m)einem Narzissten: Einmal Hölle und (kein) Zurück!?!

Die Beziehung mit (m)einem Narzissten:  Einmal Hölle und (kein) Zurück!?!

Wenn du dich mit dem Thema Narzissmus auseinander setzt, dann hast du zumindest mal den Verdacht, vielleicht sogar die Gewissheit, dies könne auf deinen Partner zutreffen. Falls dem so sein sollte, dann lies doch bitte die folgenden Zeilen einmal so, als wärest du die/der „Betroffene“. Schau einfach mal, ob du dich darin wieder findest, das Gefühl bekommst, ich spreche von dir!

„Alles hat sich verändert. Nichts ist mehr, wie es war. Obwohl ich wirklich alles versuche, ständig bemüht bin, es ihm recht zu machen, nur noch auf Zehenspitzen durch mein Leben laufe, um ihn ja nicht zu verärgern, ist er ständig böse mit mir, gibt es permanent Streit. Ich kann machen, was ich will, nichts ist ihm mehr recht, nichts mehr genug. Am Anfang war doch alles so traumhaft schön. So schön wie noch mit keinem Mann zuvor. Es schien, als hätte ich endlich den Richtigen gefunden, meinen Seelenverwandten, der mich verstand wie kein anderer Mensch. Wir waren auf einer Wellenlänge, ergänzten uns so wunderbar. es machte Spaß mit ihm zusammen zu sein, er machte mir Komplimente, führte mich aus, zeigte mir das Leben von seiner schönsten Seite. Vergessen waren all die Sorgen und Nöte, die Schattenseiten meines Lebens. Endlich hatte ich einen Menschen gefunden, der mich völlig verstand und dem ich mich vollkommen anvertrauen konnte. Eine nie gekannte tiefe Liebe verband mich mit ihm. Alles sollte immer so bleiben, wie es jetzt war. Nichts würde uns mehr trennen – dessen war ich mir sicher. Alles war ich bereit, für diese Liebe zu tun. Einen so wundervollen Menschen mit einem so noblen Charakter hatte ich noch nie gekannt. Er war aufmerksam, machte mir Geschenke, fing mich auf mit meinen Ängsten und Unzulänglichkeiten, manchmal konnte ich es kaum fassen, dass ein derart toller Mann ausgerechnet mit mir zusammen sein wollte. Endlich war ich angekommen! Er sollte es schön haben bei mir. Seine Ex-Partnerinnen hatten ihn nicht zu schätzen gewusst, ihn gekränkt, verletzt und letztlich verlassen – das sollte ihm mit mir nicht passieren. Ich würde ihm all meine Liebe schenken, wieder gutmachen, was ihm angetan wurde. Er hatte es verdient, dass man ihn aus vollem Herzen liebte. Kein Wölkchen an unserem Liebeshimmel war zu sehen, kein böses Wort hatte es je zwischen uns gegeben. Pure Harmonie, unbändiger Liebesrausch war unser Leben. Bis….ja bis zu dem Tag, an dem er zum ersten Mal einen „Aussetzer“ hatte….

Er fuhr mich an, so plötzlich und unvermittelt, dass ich in keinster Weise darauf vorbereitet war. Vollkommen aus dem Nichts warf er mir Beleidigungen an den Kopf, beschimpfte mich und ließ überhaupt nicht mehr mit sich reden. Es gab kein Durchdringen zu ihm. Ich verstand die Welt nicht mehr. Was war passiert? Was hatte ich getan? Wo war der Mensch, den ich bis dahin kannte, mein Vertrauter, mein Seelenpartner? Ich war völlig vor den Kopf gestoßen, als hätte man mich aus dem 10. Stock geworfen und ich wäre auf Beton aufgeschlagen! Das konnte nicht sein, das war nicht ER!! Und tatsächlich! Kurze Zeit nach diesem „Aussetzer“ verwandelte er sich wieder in den Mann zurück, den ich kennen gelernt hatte. Er war wieder lieb, zärtlich, aufmerksam und jovial. Er alberte mit mir herum, zog mich in seine Arme und wir landeten im Bett. Es war wunderschön und ich war unendlich erleichtert, dass alles wieder gut war. Denn schließlich: So ein
Aussetzer konnte jedem mal passieren. Jeder hat mal schlechte Laune oder ist kurzzeitig überfordert. So redete ich mir dies alles zurecht – alles andere wäre auch unaushaltbar gewesen. Ich wollte nicht zweifeln, nicht länger über diesen einmaligen Ausrutscher nachdenken. Einmalig?!? Das sollte schon der erste Irrtum sein, dem ich aufgesessen war!!

Denn: Es folgten noch viele Ausrutscher! Noch häufig sollte ich das Opfer seiner Beleidigungen, Herabwürdigungen, Anschuldigungen werden. Immer kürzer wurden die Abstände, immer heftiger die Anfeindungen und gleichzeitig immer kürzer die harmonischen Zeiten. Ich kann heute gar nicht mehr genau sagen, wann mein Leiden begonnen hatte, wann die traurigen und schlimmen Momente überwogen, die schönen kaum mehr vorkamen. Ich weiß nur, dass ich in dieser Abwärtsspirale immer mehr den Halt verlor. Ich kämpfte mit allen Mitteln gegen diese Entwicklung an, und konnte sie dennoch nicht aufhalten. Er entglitt mir immer mehr, wurde immer mehr zu einem Fremden und ich kann bis heute nicht sagen, warum ich mir das alles von ihm gefallen ließ. Es ist nicht so, dass ich per se ein schwacher und unselbständiger Mensch bin. Aber – so könnte man vielleicht sagen – er hat mich im Laufe der Monate und Jahre zu einem gemacht. Oder zumindest habe ich mich im Laufe dieser Beziehung dahingehend entwickelt.

Mein Umfeld sah dies schon lange mit großen Bedenken. Meine Freunde fanden diese (meine) Entwicklung alles andere als gut. „Ungesund“, „unterwürfig“, waren ihre Worte. Doch je häufiger sie mir sagten, dass dieser Mensch mir nicht gut täte, umso heftiger verteidigte ich ihn. Ich konnte einfach das Bild von uns als Traumpaar nicht aufgeben. Ich konnte mich doch nicht so in ihm getäuscht haben. Es war doch bestimmt nur eine Phase, eine schwierige Zeit und danach würde doch sicher wieder alles so werden wie am Anfang. Wenn ich mich nur genügend bemühte, geduldig blieb, mich noch mehr anstrengte, keine weiteren Gründe für Ausraster zu liefern, dann kam sicher wieder alles in Ordnung und er wurde wieder mein strahlender Held.

Nun – das sollte bereits der zweite Irrtum sein, dem ich aufsaß! Nichts wurde mehr wie am Anfang. Niemals mehr wieder. Im Gegenteil! Das Beste, was ein Narzisst zu geben hat, das gibt er am Anfang. Schließlich muss er sein Opfer ja erstmal umgarnen und einfangen. Ist die „Katze dann im Sack“, zeigt er sein wahres Gesicht, seinen wahren Charakter. Und der hat nichts mit dem Menschen vom Anfang zu tun. Diese Erkenntnis, dass alles nur ein Spiel für ihn war und ist, die traf mich wie ein Keulenschlag. Er hatte mich wie eine Spinne in sein Netz gelockt und nun war er dabei, mich immer weiter einzuspinnen…Wie sollte ich da jemals wieder herauskommen! Und wollte ich überhaupt heraus? War er nicht mein Prinz, mein Seelenverwandter? Wie hatte es zu alldem nur kommen können?“

Und – hast du dich in dem Text wiedergefunden? Lesen sich die Zeilen fast so, als würde ich von dir schreiben? Dann möchte ich dir Hoffnung machen! Heute, hier und jetzt! Egal, wie lange du schon mit einem solchen Menschen zusammen bist und egal, wie intensiv es sich anfühlt. Es gibt immer einen Weg, der hinausführt aus dieser Hölle! Viele sind ihn vor dir gegangen, viele gehen ihn gerade und viele werden ihn (leider) noch gehen müssen. Sorge du dafür, dass du ihn nach diesem Mal nie wieder gehen musst und dass du nicht weiter versuchst, dich den Temperaturen dieser Hölle anzupassen. Frösche, die man in heißes Wasser wirft, springen sofort wieder heraus. Frösche, die man in kaltes Wasser setzt und dieses langsam erhitzt, verpassen den Absprung. Sei kein Frosch! Und verpass nicht den Absprung!

 

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