Die Macht der Angst

Die Macht der Angst

Die Angst geht um, in allen Ländern, in allen Häusern und in allen Köpfen! Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man in diesen Tagen die Medien verfolgt. Maßnahmen werden beschlossen, Fachleute herangezogen und täglich wird neu abgestimmt, wie man sich den aktuellen Gegebenheiten am besten anpasst. Im Prinzip ist diese Vorgehensweise ja nicht verkehrt, und vermutlich derzeit auch alternativlos. Jedoch beruhigend wirkt sie nicht auf uns. Eher schon führt sie uns vor Augen, dass es letztlich keine absolute Sicherheit gibt. Zumindest nicht im Außen! Unsere Welt ist fragil, sie kann von einer Woche auf die andere völlig aus den Fugen geraten und nur wer anpassungsfähig ist, wird die notwendigen Adaptionen bewältigen können.

Ich bin kein Politiker und kein Philosoph, möchte mir deshalb auch nicht anmaßen, irgendetwas von Bedeutung zum Thema Corona zum Besten geben zu können. Wovon ich aber etwas verstehe, das ist die Psychologie. Und in der Psychologie wissen wir, dass Angst eng macht. Schon der Wortstamm deutet darauf hin und vielleicht ist es einigen von euch gar nicht bekannt. Das Wort Angst kommt von Enge (lat. Augustus = eng)!

Persönliche Anmerkung: An der Stelle frage ich mich manchmal, wie es zusammengeht, dass Angst = Enge heißt und Angelus (Angelika) = die Engelsgleiche. Ist der Weg von der Enge zum Engel ein so kurzer? Falls mich da jemand aufklären könnte, wäre ich sehr interessiert 🙂

Also – wir halten fest, dass Angst = Enge bedeutet und zwar auf allen Ebenen. Der Geist macht zu, wir fallen zurück in unser Reptiliengehirn, mit dem wir nur noch reflexartig in Form von Flucht, Kampf, Erstarrung reagieren können. Unser Zugang zu unserem neuesten Gehirnareal (dem präfrontalen Cortex) ist eingeengt, bzw. nicht mehr möglich (wir kennen das vom Black-out), sobald die Angst die Führung übernommen hat. Bedeutet, wir können keine Lösungen kreieren, haben keine Ideen mehr zu unserer Situation und stehen buchstäblich da wie „der Ochs vor dem Berg!“

Unser Fokus ist eingeengt, auch unser Brustkorb. das macht die Angst schon deshalb, um unsere Weichteile zu schützen. Wir ziehen die Schultern hoch und nach vorne, so schützen wir unser Herz. Die Anspannung sorgt dafür, dass sich unsere Atmung verändert, durch die hohe Aktivität des Sympathikus (der Teil unseres Nervensystems, der bei Flucht, Kampf und Erstarrung aktiviert ist), schießt nach oben, um unser Überleben zu sichern. Ein spitzenmäßiger Mechanismus! ABER: Eben dafür gedacht, einmal oder in großen Abständen gebraucht zu werden. Sind wir häufig oder gar ständig im Überlebensmodus, erschöpft sich unser Stresssystem. Wir geraten aus der Balance. Dieser Effekt hat massive Einflüsse auf unser Hormon-, Nerven- und Immunsystem!

Nun könnten wir ja denken, dass wir heutzutage nicht mehr häufig den Überlebensmechanismus benötigen, weil uns relativ selten ein Säbelzahntiger „ans Leder“ will. ABER: Unser Stresssystem unterscheidet nicht zwischen einer realen Bedrohung und einer gefühlten. Wenn also Angst in der Luft liegt, so wie derzeit, dann müssen wir unser System bewusst regulieren. Und wenn wir mit einem Narzissten zusammen sind oder waren, dann ist unser Nervensystem durch die jahrelange Überbeanspruchung erschöpft. Wir bekommen Schlafstörungen, können nicht mehr richtig entspannen, Schmerzen können auftreten, die Verdauung kann gestört sein, wir können uns nicht mehr so gut konzentrieren, nicht mehr essen oder haben Heißhunger auf Süßes, wir sind erschöpft, gereizt, dünnhäutig, haben Kopfweh oder Ekzeme, Herzrasen oder einen Druck auf der Brust (Enge = Angst). Kurzum: Irgendwann klappt unser System zusammen und wir erleiden einen Kollaps!

In diesen Zeiten, in denen so viel Angst um uns herum ist, sollten wir ganz besonders darauf achten, dass in unserem kleinsten System, nämlich dem der Familie, ein Klima der Entspannung und Erholung herrscht. Damit unsere Psyche schwingen kann, unser Körper zwischen Anspannung und Entspannung hin- und herpendelt, damit wir im Rhythmus sind und nicht aus dem Takt geraten. Das ist leichter gesagt als getan, zumal wir in diesen Tagen noch eng aufeinander sitzen (Enge = Angst). Spür mal in dich hinein, dein System gibt dir Rückmeldung, immer! Fühlt es sich angenehm an, kannst du ein- und ausatmen, oder stockt dir der Atem, weil so viel Ärger (Angst) in der Luft liegt? Kannst du dich zurück ziehen und dich dabei wohl fühlen? Oder tut sich ein schlechtes Gewissen auf, weil du nicht weißt, wie der Narzisst in dieser Zeit mit den Kindern umgeht oder weil er dich erst gar nicht zur Ruhe kommen lässt? Kannst du ja sagen, wenn du ja meinst, und nein, wenn dir danach ist? Wir sind derzeit einer Stresssituation ausgesetzt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Aktuell können wir wenig im Außen verändern, aber wir können die Zeit nutzen! Um zu spüren, um wahrzunehmen, um Bilanz zu ziehen, um neue Wege anzudenken, um Entscheidungen zu treffen, die nach der Corona-Krise für dich ganz persönlich umgesetzt werden können!

Mit einem Licht am Ende des Tunnels fährt es sich leichter durch die Dunkelheit! Greif auf alle Ressourcen zurück, die du bekommen kannst. Schreibe, lese, male, telefoniere, Skype, räume auf, bereite vor, was immer für dich kommen soll und nutze die Zeit zur inneren Einkehr. So können wir aus etwas Schwierigem etwas Sinnvolles und Gutes machen. Und so kommen wir aus der Angst und der Enge in die Fülle und Vielfalt. Einen guten Weg wünsche ich dir und deinen Lieben!

 

Menü schließen
>