Grenzen und Werte

Grenzen und Werte

Wie finde ich meine eigenen Werte?

„Ich habe keine Kraft mehr! Er geht schon so lange über meine psychischen und physischen Grenzen, über das erträgliche Maß! Er (sie) respektiert mich nicht, hält keine Grenzen ein und vernichtet mich regelrecht damit! Ich bin gefangen in einem Strudel aus Ohnmacht und Schuld!“

So oder so ähnlich klingen viele Opfer von Narzissten. Zumindest, wenn die Beziehung schon länger dauert, die ersten Abstürze und Angriffe stattgefunden haben, die Entwertungen keine Grenzen mehr kennen und die Opfer in grenzenlose Verzweiflung verfallen. Obwohl sie genau spüren, dass sie sich schaden, wenn sie bleiben, obwohl sie genau wissen, dass der Narzisst zu weit geht, schaffen sie es nicht, sich abzugrenzen oder dem Narzissten den Rücken zu kehren.

Warum fällt es uns häufig so schwer, einem Anderen Grenzen aufzuzeigen und bei nicht-Einhaltung derer die Beziehung zu verlassen? Warum akzeptieren wir es, wenn Menschen in unserem „Lebensgarten“ herumtrampeln, sich dort austoben und alles zunichte machen, was wir dort über Jahre oder Jahrzehnte gesät und gepflanzt haben? Und trampeln diese Menschen durch alle Gärten mit derselben Rücksichtslosigkeit oder kommt es uns so vor, als wären nur wir immer wieder Opfer von solchen Menschen? Ist es Zufall oder Schicksal, dass unser „Lebensgarten“ immer wieder zerstört wird und warum wollen bzw. können wir es nicht verhindern? Sind wir dieser Situation hilflos ausgeliefert oder können wir in Zukunft lernen, unsere Grenzen zu stecken? Vielleicht mit einer Mauer oder einem Gartenzaun? Oder einer Alarmanlage ….?

Grenzen ziehen

Um unseren Mitmenschen Grenzen aufzuzeigen, müssen wir sie erst einmal selbst kennen. Wenn ich nicht weiß, ob ich mit einem Verhalten einverstanden bin oder nicht, dann tu ich mich schwer damit, dem Gegenüber mit aller Deutlichkeit aufzutreten. Das bedeutet, ich muss zuallererst einmal mir selbst bewusst darüber werden, womit ich einverstanden bin und womit nicht. Was in meinen Toleranzbereich fällt und was gar nicht geht.

Ein Beispiel: „Wenn mein Partner mich betrügen würde, dann wäre ich weg!“ Diesen Satz höre ich häufig in meiner Praxis, und doch sind die betroffenen Personen eben doch nicht weg, wenn der Partner sie betrügt. Sie lassen sich einlullen von den Ausreden, die dieser hervorbringt, sie lassen sich sogar noch Schuldgefühle dafür einreden, nach dem Motto: „Wenn du so launisch/dick/genervt/…..bist, dann ist es ja kein Wunder, wenn ich mit einer(m) Anderen ins Bett gehe!“ Zack – und schon ist die Täter-Oper-Umkehr-Falle zugeschnappt. Wir fangen an, darüber nachzudenken, ob er nicht vielleicht recht hat damit, wir sind ja auch wirklich schlecht drauf in den letzten Monaten, wobei….eigentlich ist ja auch er an unserem schlechten Zustand schuld….usw….usw. So drehen sich die Dinge im Kreis und wir sind uns unsicher, ob wir nun handeln dürfen/sollen oder nicht. So bleiben wir in der Beziehung, obwohl der Partner ganz klar einen unserer Grundwerte (nämlich den nach Treue) verletzt hat.

Die Grenzen haben sich also verschoben

 – und zwar zu unseren Ungunsten. Nun – 2. Beispiel – wir nehmen uns vielleicht vor, dass wir den Partner auf jeden Fall verlassen, wenn er handgreiflich wird, uns physische Gewalt antut. An die psychische haben wir uns ja bereits gewöhnt. Also – eines Tages, in einem Streit, eskaliert die Situation und der Partner gibt dir eine Ohrfeige. Oder er schubst dich, zieht dich an den Haaren…. dies wäre ja nun genau der Moment, an dem du aussteigen wolltest. Denn körperliche Gewalt ist für dich inakzeptabel. Also sprichst du es deinem Partner gegenüber an, doch dieser wird wieder die Dinge verdrehen (du hast ihn so geärgert, da musste er……/oder er bringt Blumen und entschuldigt sich, „es wird nie wieder vorkommen“/oder er weint, weil er das alles ja nicht so gemeint hat….!) Nun wirst du unsicher! Bist du nicht zu streng, wenn du ihn jetzt wegen dieses einen Ausrutschers gleich verlässt? Schließlich bist du ja auch nicht perfekt und es tut ihm ja offensichtlich leid! So wirst du bei ihm bleiben und die Grenzen haben sich erneut verschoben. Erneut zu deinen Ungunsten…..bis dir am Ende kein Raum mehr bleibt, in dem du dich bewegen kannst. Du bist in einem Gefängnis gelandet, Er hat alle Grenzen niedergerissen und du hast dich peu à peu daran gewöhnt. Du wolltest nicht so streng sein, nicht so gemein, nicht kleinlich, nicht zickig, und ….  du warst dir nicht sicher, WANN du WAS fühlen darfst, WO genau deine Grenzen sind. So konnte er sich bei dir einnisten und dich von innen aushöhlen.

Wie lernen wir überhaupt, Grenzen zu setzen?

Autonomie und Bindung sind beides wichtige Pole in Beziehungen. Wir brauchen den Anderen und wollen uns mit ihm einlassen, wir brauchen aber genauso den Raum für uns selbst und unsere Entfaltung. Der Respekt beidem gegenüber machen uns (im Optimalfall) unsere Eltern vor. Sie wertschätzen sich gegenseitig und sie wertschätzen uns, obwohl wir noch klein sind.

Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Das gilt auch für Kinder – oder sollte es zumindest. Wenn wir in unserem Elternhaus nicht mit Respekt und Würde behandelt wurden, dann erwarten wir das (leider) auch nicht von unserem Partner. Wenn wir als Kinder keine Grenzen haben durften, kein Recht auf unsere eigenen Empfindungen und Bedürfnisse, dann werden wir das auch vom Partner nicht einfordern. So liegt der Grundstein – wie so häufig – in der Kindheit bzw. Biografie.

Das bedeutet aber nicht, dass wir es nicht ändern können! Wir können es in jedem Alter und in jeder Situation ändern! Und wir sollten es, wenn wir spüren, dass wir ausgenutzt, übervorteilt, gedemütigt und entwürdigt werden. Gerade als Erwachsene sind wir anderen Menschen nicht mehr hilflos ausgeliefert. Wir können uns aktiv damit auseinandersetzen, wo wir stehen und wo wir hin möchten. Wir können Einfluss darauf nehmen, wer in unserem Leben eine Rolle spielt und auch welche. Wir können quasi einen Türsteher installieren (imaginär), der sich die Menschen anschaut, die in unserem Leben ihr Unwesen treiben, diese entlarvt und ihnen den Zutritt verweigert. Das erspart uns viel Kummer und Leid, viele Stunden, die wir besser ohne Energieräuber verbringen.

Natürlich ist der erste Schritt, die eigenen Grenzen kennenzulernen.

Diese hängen stark mit unseren Werten zusammen, und auch diese sind uns häufig nicht bewusst. Abstrakt können wir sie vielleicht benennen, aber zumeist sind es dann Werte, die wir gerne hätten oder die wir attraktiv fänden, die wir aber nicht dauerhaft in unserem Leben halten und verteidigen können. Wie willst du einen hohen Selbstwert haben, wenn du deine eigenen Werte nicht kennst und lebst? Wie willst du ein hohes Maß an Selbstbewusstsein haben, wenn du dir nicht deiner-selbst-bewusst-bist?

Wir verraten uns mit einem Narzissten – immer!

In einer Beziehung mit einem Narzissten verraten wir uns – immer! Wir leben Werte, die nicht unsere sind, wir geben Werte auf, die unsere wären und wir lassen uns auf Kompromisse ein, die so faul sind, dass sie uns schier auffressen. Wenn damit jetzt Schluss sein soll, dann empfehle ich dir dringend, dich mit dem Thema Werte und Grenzen auseinanderzusetzen. Wenn du zu schwach bist, dich zu verteidigen, deine Wünsche und Bedürfnisse in deiner Beziehung zu leben oder die Beziehung zu verlassen, wenn dies nicht bis zu einem gesunden Maß möglich ist, dann komm am Donnerstag in mein live-video in der Gruppe um 20.30 Uhr.

Dort spreche ich über Werte und Grenzen, und vor allem über die Auswirkungen beider, wenn wir sie leben bzw. wenn wir sie nicht leben! Verleugne dich nicht länger und lass dich nicht emotional erpressen. Aufrecht – gesund – in Balance – bewusst – aktiv – mit Blick auf die Zukunft.

Wir können nicht ändern, was war,

aber wir können danach schauen, dass wir nicht länger in einer schädlichen Beziehung verharren, dass wir unsere Kinder nicht länger einem destruktiven Klima aussetzen und dass wir unser Potenzial zur Entfaltung bringen und nicht zum „Hanswurst“ eines Narzissten werden!

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