Jahreswechsel – Zäsur als rettender Anker!

Jahreswechsel – Zäsur als rettender Anker!

Eine Zäsur kann eine gute Gelegenheit sein, um innezuhalten. Der Jahreswechsel kann eine solche Zäsur darstellen und teilt so ein bisschen in vorher und nachher. Diesmal bricht gar ein neues Jahrzehnt an, da kann doch gut und gerne die Frage erlaubt sein: „Bin ich da, wo ich sein möchte in meinem Leben?“

Natürlich kannst du dir auch jede andere Frage stellen oder den Blick auf jedes andere Thema lenken….als Opfer von Narzissmus geht es jedoch – nach meiner Erfahrung – sehr häufig um Lebensqualität. Um ein entrissenes Leben, um gestohlene Würde, um geraubte Kräfte und um Orientierungslosigkeit bis hin zur Selbstaufgabe.

Da kann eine Zäsur der rettende Anker sein. Sie kann uns helfen, zur Besinnung zu kommen, den harten Fakten ins Auge zu schauen, aus dem „Rennen“ auszusteigen und mit Abstand die Dinge zu betrachten, die stattfinden. In meiner Praxis verwende ich gerne das Bild: „Der Narzisst jagt uns über den (Tennis-) Platz“. Durch seine Manipulationen und die daraus entstehenden (belastenden) Emotionen sind wir ständig gejagt. Wir kommen überhaupt nicht mehr dazu, auf uns selbst zu schauen, uns zu überlegen, ob wir auf dem richtigen Weg, am richtigen Platz bzw. im richtigen Leben sind. Oder ob wir uns haben auf einen (falschen) Platz stellen lassen, ob wir wie eine Schachfigur übers Lebensbrett geschoben werden, ob wir überhaupt ein völlig fremdes Leben führen. Eines, das gar nicht zu uns passt und zu dem wir (anfangs) überhaupt nicht JA gesagt haben.

 

Wie war der Narzisst anfangs und auf welches Leben haben wir uns mit ihm eingelassen?

Was davon ist noch übrig und hätten wir zu den Konditionen, die aktuell herrschen, anfangs auch JA gesagt? Oder hat er die Bedingungen so schleichend verändert, dass wir unsere Anpassung kaum bemerkt haben? Wenn man Frösche in einen Topf mit heißem Wasser setzt, springen sie sofort heraus. Wenn man Frösche in einen Topf mit kaltem Wasser setzt und dieses Wasser langsam erhitzt, bleiben sie darin sitzen, bis sie sterben. Wie „heiß“ ist es in deinem „Topf“? Und wer reguliert bei euch die Temperatur? Bleib nicht sitzen, bis du verbrühst, verglühst, verdorrst….

Vielleicht sagst du jetzt: „Das würde ich ja gerne, aber wie soll ich das machen? Mein Partner ist immer um mich herum, er kontrolliert mich und lässt mir keinen Raum! Oder er bestraft mich mit Liebesentzug und dann leide ich so sehr, dass ich gar nicht zum Nachdenken komme!“

Das verstehe ich gut und dennoch wäre es vielleicht möglich, eine klitzekleine Veränderung zu erwirken.

Bleib morgens länger liegen an freien Tagen und beschäftige dich mit deinen Gedanken!

Hör auf, Bücher und Videos über Narzissmus zu verschlingen und beschäftige dich stattdessen mit deinen Visionen und Hoffnungen.

Geh nach der Arbeit noch 1-2 Stunden in die Stadt in ein Café und schau dir die Leute an. Wer inspiriert dich?

Natürlich können es auch größere Zäsuren sein, wie z. B.

ein Wochenende mit einer Freundin in den Bergen oder

ein Kurzurlaub mit Kind im Süden.

Als ich damals selbst in der narzisstischen Beziehung war und gespürt habe, dass ich da raus muss, da habe ich angefangen, alleine zu verreisen. Das wäre mir davor nie in den Sinn gekommen und ich hätte auch nicht gedacht, dass ich es genießen könnte, aber so war es! Ich habe es in vollen Zügen genossen. Ich ging in ein Wellness-Hotel in Oberstdorf und ließ mich verwöhnen. Gutes Essen, schöne Natur und bewusster Umgang mit mir selbst. Endlich konnte ich mal wieder fühlen, wann es mir gut und wann es mir schlecht ging. Ich war energetisch entkoppelt von ihm und das war enorm wichtig! Ich habe dadurch „Tankstellen“ entdeckt, die unabhängig waren von ihm. Meine Batterien konnte ich selbständig laden und bald schon wurde ich überhäuft von Anfragen meiner Freundinnen, die mitgehen wollten nach Oberstdorf. Das habe ich auch gemacht – manchmal – aber offen gestanden, war es allein am schönsten 🙂

Diese Zäsuren haben mir geholfen, wieder in Kontakt mit mir selbst zu kommen. Kleinere Zäsuren im Alltag und größere am Wochenende und in freien Zeiten. Wichtig dabei ist: Man muss sich die Zäsuren nehmen! Die schenkt einem keiner. Niemand kommt – jedenfalls äußerst selten – und schickt einen auf die Reise zu sich selbst! Für einen Narzissten ist gerade so ein Schritt mit einem großen Risiko verbunden! Man könnte ja zur Einsicht kommen, dass man das Leben mit ihm gar nicht mehr will. Für ihn ist das so, wie wenn wir den Tennisplatz verlassen und uns überlegen, ob wir überhaupt noch mitspielen wollen!

In der Klassischen Musik sagt man: „Die Pausen sind das Wichtigste in der Musik!“ Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben – (smile) – aber es ist definitiv was dran. Pausen, Zäsuren, innere Einkehr, auftanken und Reflexion – diese Elemente sind ganz besonders in toxischen Beziehungen wichtig. Erst wer mal raus war, kann entscheiden, ob er wieder reingehen will! Fang an, dir die kleinen Freiräume zu schaffen. Dies ist anfangs eine bewusste Entscheidung, weil Trauma und Sucht wie eine Art Strudel funktionieren. Stell dir einen Wildbach vor, in dem du mit dem Kanu gegen die Wellen kämpfst. Es ist nicht leicht, an den Rand zu fahren und sich ins Gras zu setzen. Der Strudel will einen immer wieder zurückziehen und weiter treiben. Einen solchen Flow und eine solche Sogwirkung hat auch der Narzissmus-Strudel. Wenn du dir dessen bewusst bist und immer wieder den Rand ansteuerst, wirst du bald schon deine Auszeiten auf dem Gras machen können.

Wenn du in 5 Jahren nicht mehr das Leben führen willst, das du heute führst, dann fang an, dich mit deinen Träumen zu beschäftigen, damit diese wahr werden können! Es ist in unserer Verantwortung, dass wir das Leben führen, das wir führen möchten! Und wenn wir es nicht definieren, dann definiert es jemand anderes für uns! Dann lebst du aber nicht, sondern wirst gelebt! Und das ist ja nicht lebenswert, oder? Ein tolles 2020 wünsche ich dir! Mit allem, was für DICH dazu gehört!

 

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