von Angelika Beck

Los gehen narzisstische Beziehungen in aller Regel mit der love-bombing-Phase. Du wirst mit Liebe überschüttet, überhöht und angebetet, was auch immer du tust, du kannst nichts falsch machen Der Narzisst pampert dich und packt dich in Watte. Er schenkt dir seine volle Aufmerksamkeit, hört dir zu, ist interessiert, macht Geschenke und liebt dich über die Maßen. Vielleicht kommen bei dir so ganz kleine Zweifel auf, dass das alles zu schnell geht und zu viel ist, aber das Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden, ist einfach zu schön, um dem Zweifel Raum zu geben, um vorsichtig zu sein. Du badest in dem Gefühl des Angenommen-Seins und willst diese rosa Wolke am liebsten nie wieder verlassen.

Der Narzisst hat dich weich geschmust und alle Vorsicht vergessen lassen. Mitten in dieses wunderbare Gefühl, in diesen Rausch hinein, rast wie aus heiterem Himmel, der erste Blitz. Es donnert und kracht gewaltig und du verstehst die Welt nicht mehr. Du erwachst schlagartig und bist wie vom Donner gerührt. Ein Riss geht durch die Beziehung, wo ihr doch bisher so völlig verschmolzen ward.

Verzweifelt versuchst du, diesen alten Zustand wieder herzustellen. Du nimmst Schuld auf dich, wo du keine hast, du hast Sex, obwohl du doch so verletzt und verwirrt bist, du entschuldigst dich für Dinge, die du nicht getan hast. Alles nur, um wieder in diesen Rausch zu kommen, wieder zu verschmelzen. Aber was auch immer du anstellst, es reicht nicht aus. Es ist nicht genug, du bist nicht genug. Es hagelt Vorwürfe und Beleidigungen, der Narzisst wertet dich ab, hat plötzlich kaum mehr Zeit für dich und ist permanent unzufrieden. Du gibst dir die größte Mühe, um dich an die veränderte Situation anzupassen und bist doch alleine mit diesem überwältigenden Schmerz. Du liest Bücher und schaust Videos, um den Narzissten zu verstehen. Du versuchst schon im Vorfeld, seine Stimmung zu erahnen, um ja keinen Fehler zu machen und du stellst all deine Bedürfnisse hinten an. Nur nicht klagen oder jammern, tapfer ertragen und gute Stimmung machen.

Wie ein angeschossenes Reh vegetierst du vor dich hin, verzweifelt und verletzt, voller Selbstzweifel und Leere. Wenn du nur wüsstest, was du tun kannst, um wieder zum Anfang zurückzukommen. Und welchen Preis der Narzisst auch von dir verlangt, ob er dich betrügt, gewalttätig wird, dich erniedrigt und ausbeutet, du bist einfach zu allem bereit, in der Hoffnung….ja, in der Hoffnung auf Besserung. Mit der Zeit allerdings schwinden deine Kräfte, denn du bist allein mit deinem Schmerz. Alles, was er anfangs mit dir geteilt hat, alles was euch symbiotisch verbunden hat, all dies ist vorbei. Du bist mit der vollen Härte auf dem Boden der Realität aufgeschlagen und gehörst eigentlich in die seelische Intensivstation. Nur wird er dich dahin nicht bringen und er würde dich dort auch nicht besuchen. Er macht vielmehr sein eigenes Ding jetzt, will nicht gestört werden und lässt über Tage nichts von sich hören.

Irgendwann geht die Beziehung zu Ende und du bleibst schwer verletzt und vollkommen ratlos zurück. Wie sollst du nur wieder auf die Beine kommen, dich von diesem Schlag erholen und wieder Vertrauen zu anderen Menschen finden? Wie sollst du jemals wieder unbeschwert lachen können und Leichtigkeit spüren? Nach dem, was du erlebt hast, nach dieser Reise in den rosa Wolkenhimmel und den dramatischen Absturz in die Hölle? Der Narzisst hat dich in ein Traumland entführt und dann über die Klippe gestoßen. Wie sollst du das jemals überwinden und wieder heil werden?

Diese Frage ist sehr nachvollziehbar und berechtigt. Und eigentlich ist es viel mehr als eine Frage, es ist – gefühlt – fast eine Lebensaufgabe. Zurück ins Leben zu finden, all den Schmerz jemals hinter sich zu lassen und die Ungerechtigkeit auszuhalten. Eine so tiefe Enttäuschung, dass du dich fragst, wie ein Mensch das einem anderen bloß antun kann.

Man sagt: „Die Zeit heilt alle Wunden!“ Wird es bei dir auch so sein? Dass der Schmerz einfach vergeht und alles wieder gut wird? Es scheint völlig unvorstellbar zu sein und du hast wenig Hoffnung darin. Tatsächlich heilt die Zeit durchaus Wunden, nur nicht alle und auch nicht unbedingt vollständig. Es hängt entscheidend von der Erschütterung ab, von der Tiefe der Wunde und ob du versorgt wirst in der Genesungszeit. Du wurdest durch einen anderen Menschen so schwer und tief verletzt, dass du sehr wahrscheinlich kein Vertrauen mehr hast und dich womöglich von Menschen allgemein erstmal ganz zurückziehst. Nur nicht wieder verletzt werden, nur kein Risiko eingehen. So igelst du dich ein und hoffst, dass alles irgendwann vorbei geht.

So verständlich diese Reaktion auch ist, sie wird dir, zumindest in den meisten Fällen, nur bedingt helfen. Du wurdest durch einen Menschen verletzt und darum musst du auch durch andere Menschen wieder heilen. Du musst neue, positive Erfahrungen machen in einem emphatischen, wertschätzenden und gütigen Umfeld. Du brauchst einen Nährboden des Vertrauens, um dich langsam wieder an neue Erfahrungen heran zu tasten und die alten, schlimmen Erfahrungen zu überschreiben. Als würdest du eine alte Kassette neu überspielen.

Du brauchst jetzt ein unterstützendes Umfeld, das dich aufnimmt und dir einen Schutzraum bietet, das dir die Möglichkeit gibt, all deine Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten. Ein Umfeld, das dich so annimmt, wie du bist und das dir Antworten liefert auf die vielen Fragen, die du nach diesem völlig unverständlichen Schockerlebnis hast. Wer durch Menschen verletzt wurde, der muss durch Menschen wieder heilen.

Rückzug ist eine gute Wahl, aber nur für begrenzte Zeit. Ansonsten schneidest du dich vom Leben ab und damit auch von Kraft, Energie und Lebendigkeit. Such dir ein Umfeld, in dem du Trost findest und heilen kannst. Beschäftige dich aktiv mit dem, was dir widerfahren ist und versuche zu verstehen, welche deiner tief liegenden Bedürfnisse der Narzisst erfüllt hat, und wie du diese auf anderem Wege erfüllen kannst. Wir können unheimlich viel aus schlimmen Erfahrungen lernen, wenn wir es richtig anstellen. Wir können wichtige Erkenntnisse gewinnen und enorm daran wachsen. So stellen wir auch sicher, dass uns ein solches Drama nicht erneut passiert. Trost, Geborgenheit, Schutz und Güte, das ist es, was wir brauchen nach den schweren Verletzungen. Und du allein bestimmst, wann der Zeitpunkt für dich gekommen ist, deinen Rückzug aufzugeben. Denn – so hilfreich dieser ist, so wichtig ist es auch, ihn wieder aufzugeben. Es ist sogar wichtig, dass du das ganze Thema Narzissmus irgendwann hinter dir lässt. Wenn eine Entwicklungsstufe gemeistert ist, darf die Erfahrung in unser Leben einfließen und es geht auf einer höheren Ebene weiter.

Es gibt nämlich durchaus Menschen, die dich genau so mögen und annehmen, wie du bist. Es gibt ein Umfeld, das dir gut tut und es gibt Antworten auf deine Fragen. Lass dich nicht zu sehr in dieses Schlammloch der Enttäuschung hineinfallen und rappele dich rechtzeitig wieder auf, um am Leben teilzunehmen. Ängst werden nicht kleiner, wenn man sich nicht gegen sie positioniert – im Gegenteil – sie werden größer. Selbstzweifel werden auch nicht geringer, wenn man sich monatelang alleine mit ihnen befasst. Erliege nicht den destruktiven Gedankenspiralen, die dich nicht vorwärtsbringen, sondern nur den Schmerz erneut und erneut reaktivieren.

Wenn wir verletzt sind, sind wir Opfer und das ist auch in Ordnung für einige Zeit. Aber denk daran, dass du mehr bist als das. Du hast schon hunderte und tausende Erfahrungen gemacht in deinem Leben und du bist nicht nur die Ex eines Narzissten, sondern auch eine Mutter, Tochter, Schwester, Mitarbeiterin, Freundin, Sportlerin, Hundebesitzerin, Katzenfreundin….. Du hast so viele Qualitäten und es ist ganz unbedingt notwendig, das du diese zur Entfaltung bringst und auslebst. Lass nicht zu, dass ein Narzisst selbst nach der Trennung noch Einfluss auf dich hat. Befreie dich aktiv und nimm dein Leben wieder in die Hand.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sich das leichter anhört als es ist. Aber immerhin – es ist möglich und das reicht doch schon aus. Nach meiner Trennung vom Narzissten vor vielen Jahren, fand ich keine rechte Hilfe. Das Thema war nicht präsent in der Gesellschaft und es gab praktisch keine Therapeuten/KollegInnen, die sich damit auskannten. Das hat mich veranlasst, selbst dieses Thema aufzugreifen und Hilfsangebote für Betroffene zu machen. Inzwischen sind wir über 11 000 Leute in der Facebook-Gruppe, über 6000 Leute, die unseren newsletter abonniert haben, hunderte, die unsere Kurse durchlaufen haben und sogar heute selbst Psychologische Berater mit dem Schwerpunkt Narzissmus sind. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, anderen Betroffenen zu helfen und so dem Ganzen einen tiefen Sinn zu geben. Aus der schlimmen Erfahrung haben sie ihre Berufung gemacht.

Immer montags um 20 Uhr treffen sich Opfer von Narzissten online im Rahmen des inner-circles und arbeiten mit und an den verschiedenen Themen. Selbstliebe, Ängste, Grenzen, narzisstische Mütter, Werte und Glaubenssätze, Trauma und Bindung usw. – all die beschäftigen uns da. Ich führe als Therapeutin, Narzissmus-Expertin und ehemals Betroffene durch die Themenbereiche, wir machen Übungen, ich halte Vorträge, beantworte Fragen und wir tauschen uns aus.

Nur was wir verstehen, können wir verarbeiten und am Ende verabschieden. Wenn du dich ebenfalls auf diese Reise begeben möchtest und dem Narzissten eben nicht mehr die Macht über dich und dein Befinden überlassen, dann bist du herzlich willkommen. Es gibt fast 100 Aufzeichnungen im Mitgliederbereich und der Ein- und Ausstieg ist jederzeit möglich. Ich habe ein Hilfsangebot kreiert, von dem ich mir damals gewünscht hätte, es hätte es schon gegeben, als ich es brauchte. So habe ich meiner therapeutischen Arbeit eine neue Richtung gegeben und seit vielen Jahren arbeite ich nun online, zumeist vom Ausland aus, am Strand, in der Sonne mit einer tiefen Dankbarkeit und Erfüllung. Das habe ich aus all dem Schlimmen gemacht – und was ist dein Lebensplan? Bist du dabei, wenn es darum geht, aus dem Minus ein dickes Plus zu machen und in den Prozess zu gehen?

Es wäre das Beste, was du tun kannst, denn „Aus den Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen!“ Erich Kästner

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