Es gibt Schmerzen, die übersteigen beinahe jede Möglichkeit, sie auszuhalten. Sie  sind schlicht unaushaltbar und bohren sich tief in unser Herz. Alles ist schwer und es zerreißt uns fast von innen. Man fühlt es mit jeder Faser und kann dennoch nicht entfliehen. Der Schmerz tobt durch den ganzen Körper und ist abwechselnd brennend heiß, dann wieder schaurig kalt. Die Nerven spielen verrückt, das Herz rast und der Puls steigt. Obwohl man nur auf dem Sofa liegt, fühlt man sich wie bei einem Marathon.

Für Körper, Geist und Seele. Es gibt kaum vergleichbare Qualen zu denen, die Menschen sich gegenseitig antun können. Und es bleibt nichts zu tun, als sie auszuhalten. Immer in der Hoffnung, dass irgendetwas passiert oder irgendjemand kommt, um uns aus diesem Zustand zu befreien. Um uns zu erlösen von dem, was wir nicht ertragen können, um uns aus dem Feuer der Sehnsucht zu holen, aus der Wut, der Hoffnungslosigkeit, der Trauer, der Verzweiflung.

Jeder Mensch, der im Laufe seines Lebens einmal Opfer eines Narzissten wurde, weiß, wovon ich spreche. Ein jeder, der den narzisstischen Kreislauf zigfach hinter sich bringen gebracht, das on-off-Spiel über Jahre ertragen hat, kann nachvollziehen, welchen Qualen man ausgeliefert ist. Der ganze Mensch verkommt zu einem einzigen Schmerzklumpen. Und kein anderer Gedanke ist mehr möglich als der, davon befreit zu werden.

Natürlich ist der Mensch klug und versucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Linderung versprechen. Sport, Alkohol, Ablenkung, Gespräche mit Freundinnen, Selbsthilfegruppen, aber am Ende taucht vor unserem geistigen Auge immer wieder die scheinbar einzige Erlösung auf, und zwar in der Person des Narzissten. Er ist Himmel und Hölle zugleich, er ist Peiniger und Erlöser in einer Person. Wie soll man aus diesem Dilemma einen Ausweg finden?

Narzisstische Beziehungen jeglicher Art versetzen das Opfer zu irgendeinem Zeitpunkt  in diesen Zustand. Und leider ist eben dieser Zustand durchaus ernst zu nehmen und nicht einfach nur unangenehm. Es ist enorm wichtig zu begreifen, dass wir fast schon mit unserem Leben spielen, wenn wir nicht wieder für Ruhe in unserem System sorgen. Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie dieser Zustand überhaupt ausgelöst werden kann? Wie Schmerzen entstehen und warum wir selbst nach Monaten oder gar Jahren nach der Trennung noch immer darunter leiden? Nicht mehr so brennend und akut, aber immerhin. Auch dann sind die Spätfolgen durchaus noch zu bemerken.

Vielleicht in Form von Schlafstörungen oder Ängsten, vielleicht in Form von Depressionen oder Albträumen, vielleicht von Körperschmerzen und Infektanfälligkeit oder von Schwäche und Konzentrationsproblemen. Auch die Angst, sich auf andere Menschen einzulassen gehört dazu. Das Vertrauen in sich selbst und in die Mitmenschen ist tief erschüttert. Es ist mit normalem Liebeskummer überhaupt nicht vergleichbar und deshalb so enorm wichtig zu verstehen.

Seelenschmerz betrifft unser ganzes Wesen, unser ganzes Sein. Und wusstest du, dass Seelenschmerz im gleichen Hirnareal verarbeitet wird wie Körperschmerz? Dass dieselbe Region im Gehirn Alarm schlägt, wie wenn man dich mit einem Hammer auf den Fuß haut? Und stell dir nur mal vor, das würde über Monate und Jahre so geschehen, nur für einen Moment, dann weißt du, von welcher Folter ich spreche.

Unser Körper wird in Aufruhr versetzt, er will sich wehren, all dem entkommen und schafft es doch nicht. So erleben wir einen Dauerstress, eine ständige Aktivierung, die leicht in einem Burn-out oder in einem Trauma enden kann. Unser Nervensystem fährt nicht mehr herunter, es lässt sich nicht mehr beruhigen und wir erschöpfen immer mehr und immer schneller. Wir tanken nicht mehr auf, wir verspüren keine Freude mehr und sind gefangen in einem Albtraum. Diese Dauerbelastung ist gesundheitsschädlich und wirft sowohl unser Hormonsystem, als auch unser Nerven- und Immunsystem vollkommen durcheinander. Alles gerät aus dem Gleichgewicht und es kann nicht genug betont werden, wie wichtig es ist, aus dieser Tortur auszusteigen.

Es macht also durchaus einen Unterschied, ob ich ein, zwei oder 10 Jahre mit einem Narzissten zusammen bin oder lediglich einige Monate. Es macht auch durchaus einen Unterschied, ob ich einmal, zweimal oder zehnmal zu ihm zurück kehre und das Spiel wieder von vorne beginnen lasse. Es macht einen Unterschied, der sich nicht nur in der Gegenwart auswirkt, sondern noch Jahre darüber hinaus.

Ich weiß sehr wohl, dass das in dieser akuten Situation nicht wirklich von Belang ist für dich ist. Man ist von der Gehirnwäsche so beeinflusst, dass man dem Trugschluss unterliegt, nur der Narzisst wäre in der Lage, diesen Schmerz zu nehmen. Indem er zurück kommt, indem er wieder nett ist, indem wieder alles gut wird. Aber das wird es nicht. Zumindest nicht längerfristig. Ein Narzisst ist dazu nicht in der Lage und wenn du zum zehnten Mal zurückkehrst, dann hast du zum zehnten Mal ja gesagt zu deiner eigenen Gesundheitsgefährdung.

Das Broken-Heart-Syndrom ist nur eine mögliche Folge von dieser Qual und zumeist sind die von uns gewählten Fluchtmöglichkeiten bzw. Bewältigungsmechanismen nicht wirklich hilfreich. Wir trinken zu viel, wir wollen nicht mehr aufstehen, wir essen zu viel oder zu wenig, wir verkriechen uns, wir können nicht mehr arbeiten, wir nehmen Tabletten oder wir rauchen wie ein Schlot. In all diesen Fällen versuchen wir, irgendwie den Stress runterzubringen. Das Ergebnis ist leider nur, dass wir in diesem Hamsterrad noch schneller rennen als sowieso schon. Wir starren unentwegt aufs handy, wir checken sein Profil, wir lauern Tag und Nacht auf Nachrichten und sind ständig auf der Hut, was wohl als nächstes passiert.

Dieses enorm hohe Erregungslevel ist ungesund. Wir sind als Menschen dafür nicht ausgestattet. Wir können durchaus kurzzeitigen Stress gut verkraften, nur längerfristig schadet es uns enorm. Wir bekommen keine Balance mehr hin von Anspannung und Entspannung, der Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt sich, wir atmen flach, wir weinen viel und grübeln ständig über irgendwelche Erklärungen oder Auswege nach. Wir lesen, ja verschlingen geradezu jegliche Lektüre, die es zu Narzissmus gibt. Wir schauen Videos und hören Podcasts zu diesem Thema. Immer in der Hoffnung, der Sache auf die Spur zu kommen, endlich zu verstehend was sich da abspielt und warum der andere zu tickt, wie er tickt. Wir werden fast hysterisch, weil wir es nicht begreifen können, wie jemand so sein kann. Wir überlegen ständig, was wir tun können, wie wir uns verhalten müssten, damit die Kiste doch noch dauerhaft zum Laufen kommt und sich Harmonie einstellt.

Und genau diese Unterfangen sind völlig vergebene Liebesmühe. Denn es würde bedeuten, dass wir einen Fehler gemach hätten und wenn wir diesen vermeiden würden, dann würde auch alles gut werden. Aber genau das ist der Trugschluss. Das Problem liegt im Narzissten selbst. Wir können nichts dafür und auch nichts dagegen tun. Wir können nur die Beine in die Hand nehmen und rennen. Da aber der Schmerz so groß ist und die Hoffnung, dass der Narzisst uns diesen Schmerz wieder nimmt, sind wir in einem Teufelskreis gefangen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass du dir nachhaltig schadest, wenn du den Ausstieg nicht machst. Nicht nur, dass du wertvolle Lebenszeit verlierst, sondern dass du dir ganz konkret körperlich und seelisch Schaden zufügst. Und eines muss ich dir leider prognostizieren: Um diese Spätfolgen wird sich der Narzisst zu einhundert Prozent weder kümmern noch verantwortlich fühlen. Die tragen wir ganz alleine.

Du sagst jetzt vielleicht, dass du ja aussteigen würdest, wenn du könntest und das verstehe ich sehr gut. Es ist auch gar nicht notwendig, dass du alleine den Ausstieg machst, denn dieser ist tatsächlich schwer. Aber es ist absolut notwendig, dass du dir professionelle Hilfe holst, wenn du schon leidest. Und denke dabei nicht nur an die Gegenwart, sondern vor allem auch an deine Zukunft. Die Grundlagen dafür legst du jetzt fest und den Preis, den du längerfristig für diesen narzisstischen Missbrauch bezahlst, auch.

Mein Fazit: Beschäftige dich mit Narzissmus und komme zu einer Entscheidung, hinter der du zu einhundert Prozent stehst. Dann geh` den Weg heraus aus diesem Labyrinth und wenn du es nicht alleine schaffst, dann mit Hilfe. Bleib auf diesem Weg, konsequent und ohne nach links und rechts zu schauen. Arbeite an einer Vision für die Zukunft, auf die du dich freust und die dir wieder ein lebenswertes Leben verspricht – ohne diesen Menschen. Das ist Arbeit, das gebe ich gerne zu, aber eine Arbeit, die sich lohnt und die dich dir selbst so nahe bringt, wie du es vielleicht zuvor noch nie warst. Du wirst reifen durch diese Erfahrung und du wirst wachsen, wenn du es richtig anstellst. Und wenn du rechtzeitig aussteigst und damit die Langzeitfolgen dieser Seelenqualen vermeidest. Ich wünsche es dir von ganzem Herzen – denn keiner hat ein Leben in Qual und Pein verdient. Und – das alles hat nichts mit Liebe zu tun. Liebe geht anders, sie tut nicht weh!

Mit den Worten von Ray Dalio gesprochen aus dem Buch „Die Prinzipien des Erfolgs“:

SCHLECHT:  Zulassen, dass Schmerzen dem Fortschritt im Weg stehen.

GUT: Verstehen, wie man mit Schmerzen umgehen kann, um Fortschritt zu erreichen.

Gründerin von Psykadia - Akademie für Psychologische Ausbildungen
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Narzissmus-Expertin

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