Es ist kann ganz schön anstrengend sein, die Emotionen, die Narzissten in uns auslösen, zurückzuhalten.

Gefühle wie Wut, weil man ungerecht behandelt wird oder Gefühle wie Traurigkeit und Leere, weil man immer wieder zurückgestoßen wird, auch Angst vor dem Verlassenwerden, vor dem nächsten Streit, der nächsten Eskalation, all dies ist nicht leicht, bei sich zu behalten.

Wir sind vielleicht geneigt zu denken, diese Gefühle tagtäglich zu erleben, wäre gar nicht so schlimm. Aber nur weil sie nicht nach außen treten, nicht für den Anderen sichtbar werden, so sind sie doch da. Man kann sich nicht ver-fühlen – Gefühle entstehen aus sich heraus, wir können sie nicht unterbinden, wir können höchstens die äußeren Umstände ändern, damit bessere Gefühle in uns entstehen, aber solange dies nicht der Fall ist und solange wir es mit einem narzisstischen Menschen zu tun haben, der immer und immer wieder quälende Gefühle in uns auslöst, solange werden diese zuverlässig auftauchen.

Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Artikel rund um das Thema Narzissmus. Ich möchte heute einmal darauf eingehen, was stressige Gefühle mit uns machen und was in Narzissten vor sich geht, wenn sie wütend, abwertend, kritisierend oder beleidigt sind.

Die Dynamik von Emotionen ist im Grunde nicht schwer zu verstehen. Stell dir eine Situation vor, z. B.: Du wartest vergeblich auf deinen Partner, weil ihr verabredet seid, aber er kommt nicht. Nun können dir unterschiedliche Gedanken durch den Kopf gehen. Möglich wäre: „Er musste bestimmt länger arbeiten,“ mit diesem Gedanken bleibst du vermutlich entspannt. Du könntest aber auch denken: „Er hatte vielleicht einen Unfall“, dann wäre das Gefühl dazu sicherlich Angst, Unruhe, Sorge bis zu Panik. Du würdest sofort versuchen, ihn zu erreichen, um dich abzusichern, dass alles ok ist und um dich mit dieser Information dann zu beruhigen. Eine dritte Variante könnte auch sein, dass du denkst, „Er geht bestimmt wieder fremd“. Das würde Gefühle wie Eifersucht, vielleicht Wut, und möglicherweise auch Angst vor dem Verlassen werden auslösen.

Wir sehen also, es sind immer unsere Gedanken, unsere Bewertungen, unsere Sicht auf die Dinge, die dann die entsprechenden Gefühle aufkommen lassen. Das ist auch der Grund warum vielleicht eine Freundin zu dir sagt: „Was regst du dich denn auf, er wird schon noch kommen.“ Sie hat eine andere Biografie und sie hat wahrscheinlich keine Angst davor, dass er einen Unfall hatte oder wieder fremd geht.

Wir halten also mal fest, eine Situation führt zu einer bestimmten Bewertung, zu einem bestimmten Gedanken und dieser löst wiederum die entsprechenden Gefühle aus.

Schreit dich der Narzisst an, beleidigt er dich, wertet dich ab, wird gewalttätig, so könnte es absolut hilfreich sein, einmal an dieser Stelle auf deine Gedanken zu achten. Was denkst du in diesem Moment? Hat er in deinen Augen recht mit dieser Abwertung? Ist dein Selbstwert schon so niedrig, dass du ihm glaubst? Hat er dich schon so weit manipuliert, dass du seinen Erklärungen zustimmst?

Oder wehrt sich etwas in dir und du wirst innerlich wütend, darfst diese Wut nur nicht nach außen tragen, weil dann alles noch viel schlimmer wird?

Oder nehmen wir das Beispiel, dass der Narzisst wieder mal für Tage abtaucht. Du kannst ihn nicht erreichen, kommst nicht an ihn heran und kommst innerlich fast in einen Panikmodus. Ist das nun das endgültige Aus? Wird er sich nie wieder melden? Was wird aus dem WE, das ihr geplant habt, meldet er sich bis dahin wieder? Was sollst du den Kindern sagen oder den Eltern, wie kannst du Ausreden finden, damit es nicht auffällt, dass er schon wieder abgetaucht ist?

Du starrst wie gebannt auf dein Handy und drehst innerlich fast durch. Deine Nerven sind zum Zerreißen gespannt und an Schlaf ist nicht zu denken. Was glaubst du, wie es deinem Nervensystem in dieser Zeit geht? Was glaubst du, wie viel Stresshormone da ausgeschüttet werden und eben nicht abgebaut? Wie viele toxische Stoffe sammeln sich in dir an, die du nicht los wirst?

Unser Körper unterscheidet bei Stress nicht zwischen einem wilden Tier, das uns töten könnte und einem Narzissten. Es geht jedesmal in den Kampf- Flucht- oder Erstarrungsmodus. Und irgendwann kann unser System die Angst nicht mehr halten und es bricht wie eine Welle über uns zusammen. Wir landest in einer totalen Erschöpfung, im Burnout, in einer Depression.

Du siehst also, was klein anfängt mit scheinbar belanglosen Streitereien oder kleinen Bestrafungen, endet im ganz großen Chaos. Allerdings – das Chaos läuft nur bei dir ab. Der Narzisst macht sich dabei nicht verrückt. Er leidet nicht und starrt aufs Handy, er bleibt in sofern cool, als er höchstens darüber aufregt, dass du so blöd bist, so stur, so uneinsichtig, so dumm, so nervig, so anstrengend, so anhänglich, so falsch, so hinterlistig, so gemein, dass ihm letztlich nichts anders übrig blieb als seine Reaktion.

Und was passiert eigentlich bei Narzissten, wenn sie uns für etwas beschuldigen, was wir nicht getan haben?

Warum müssen sie ausgerechnet einen Streit vom Zaun brechen, wenn es gerade harmonisch ist und warum ist der Narzisst am Anfang der Beziehung so wahnsinnig verliebt in uns und ein paar Monate später kann er genau diese Eigenschaften an uns nicht mehr ausstehen? Wie kann sich ein Mensch so wandeln? Es ist völlig unverständlich. Und doch – und doch gibt es eine Erklärung und die ist gar nicht so kompliziert:

Narzissten haben viele unbewusste Mechanismen laufen, die ihre eigenen Gefühle abwehren. Wir alle haben Gefühle, die im Unterbewusstsein schlummern und bei Gelegenheit oder bei einem Trigger zutage treten. Ängste, Aggressionen, Gefühle von nicht geliebt werden, von Hilflosigkeit, davon wertlos zu sein, nicht zu genügen, und manchmal rutschen wir sogar in unser inneres Kind, wenn uns das, was unser Gegenüber sagt oder uns vorwirft, mit dem korrespondiert, was wir als kleines Kind gehört haben.

Dann rutschen wir in unseres 4-jähriges Ich. Dann haben wir auch keine Strategie, um uns zu wehren, dann sind wir genauso hilflos wie ein 4-jähriges Kind. Beim Narzissten laufen diese Abwehrmechanismen meist in dieser Kategorie ab, dass die Abwertung dazu dient, Distanz aufzubauen. Harmonie macht Narzissten Angst. Überhaupt besteht die größte Angst von Narzissten darin, entdeckt zu werden. Jemand könnte heraus finden, dass ihr innerster Kern gar nicht so robust ist, dass ihr Selbstwert im Grunde sehr gering und zerbrechlich ist, dass sie sich selbst überhaupt nicht toll finden, sondern sich vielmehr eine großartige Fassade aufgebaut haben, um dieses kleine und zerbrechliche Ich zu verstecken. Und gleich vorweg gesagt:

Egal, wie viele Mauern du vielleicht beim Narzissten einreißen kannst, egal, wie nahe du ihm kommt, EINE innere Mauer wird bei ihm immer stehen bleiben. Das ist leider gewiss.

Ein paar Abwehrmechanismen kennst du mit Sicherheit: Der eine ist die Schuldumkehr, ein anderer ist Verlegung: „Das hast du nie gesagt“, so der Vorwurf an uns. Ein weiterer kann sein Projektion: Dabei projiziert der Narzisst Anteile, die er an sich selbst nicht mag auf uns und bekämpft sie dort. Er wirft uns z. B. vor, so schlampig zu sein, obwohl wir das gar nicht sind, sondern er ist der Schlamper. Er kann sich als Schlamper nicht akzeptieren, darum die Projektion.

Auch Verschiebung ist ein solcher Abwehrmechanismus: Es kann sein, dass sich der Narzisst über seinen Chef aufregt, sich ungerecht behandelt fühlt, das gibt er aber nicht dem Chef zurück, sondern brüllt stattdessen dich an. Eine andere und sehr entscheidende Abwehr ist die Regression. Dabei rutscht der Narzisst in sein inneres Kind und schreit und stampft wie ein 5-Jähriger. Vielleicht hast du sogar schon ab und zu gedacht: „Der benimmt sich gerade wie ein kleines Kind! Eifersüchtig, brüllt er alle Emotionen einfach raus, steht sich selbst im Weg, ist keinem Argument mehr zugänglich und agiert alle Impulse dir gegenüber einfach aus.“

Dieses Zurückrutschen in frühere Entwicklungsstadien nennt man Regression. Da wurde der Narzisst verletzt, manchmal traumatisierte, da ist etwas passiert, was ihn immer wieder einholt und sobald eine Aktion deinerseits diesen alten Schmerz bei ihm reaktiviert, fällt er in diesen Modus.

Kannst du das verhindern? Nein, denn es kann praktisch alles sein, was ihn triggert. Dass du länger bei der Arbeit brauchst, dass du den falschen Lippenstift trägst, dass du dich mehr um den Hund kümmerst als um ihn, dass du die Kinder zu sehr verwöhnst, dass du zu viel alleine machst oder zu wenig, dass du zu viel zu Hause bist oder zu wenig….

Das ist eine innerpsychische Dynamik des Narzissten. Diese kannst du weder heilen noch vermeiden.

Er müsste es selbst tun, nur müsste er dazu alle Abwehrmechanismen runterfahren können, natürlich mit professioneller Begleitung, und dabei kämen dann alle Ängst hoch, die dahinter lauern. Da sein inneres Ich so fragil ist, wird er diesen Prozess nur in der allergrößten Not angehen. Und zwar am ehesten dann, wenn er zusätzlich in eine Depression fällt oder sein gesamtes Leben zusammenkracht.

Wenn wir verstehen, dass wir kein Recht dazu haben, einen anderen Menschen zu ändern und wenn wir verstehen, dass alles, was zwischen dem Narzissten und uns stattfindet, am Ende nichts mit uns zu tun hat, jedenfalls nicht inhaltlich, dann können wir vielleicht ein kleines Stückchen besser loslassen. Wir lieben den Narzissten gar nicht so, wie er ist. Wir lieben das, was wir am Anfang mit ihm erlebt haben, wir lieben diese Gefühle, die er da bei uns ausgelöst hat, aber wir lieben diesen Menschen nicht allumfassend, mit all seinen Eigenschaften. Dann würden wir nämlich nicht unter ihm leiden sondern mit ihm aufblühen. Dann würden wir ihn auch nicht ständig kritisieren, uns über sein Verhalten bei Freundinnen ausweinen und so sehr leiden. Dann würden wir ihn in den höchsten Tönen loben, weil er so viele wunderbare Eigenschaften hat.

Machen wir uns diese Dynamiken klar, so kommen wir Stück für Stück immer ein bisschen mehr heraus aus der Abhängigkeit und aus der Illusion, mit diesem Menschen noch eine glückliche Beziehung führen zu können. Das grenzt wirklich an Selbstüberschätzung, weil selbst Psychiater und Therapeuten ihre liebe Not haben mit der Therapie eines Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung.

Wenn du tiefer in das Thema eintauchen möchtest, einen regelmäßigen und aktiven Austausch mit mir und anderen Betroffenen wünschst, dann empfehle ich dir sehr unseren inner-circle. Immer montags treffen wir uns über zoom um 20 Uhr zum live-meeting (immer mit Aufzeichnung) und vielleicht hast du auch Interesse an einer Ausbildung zum Psychologischen Berater mit dem Schwerpunkt Narzissmus. In beiden Angeboten geht es um ganz viel Selbstreflexion und Aufarbeitung ( –> Alle Infos zur Ausbildung) .

Für heute darf ich mich bedanken, trete gerne unserem Inner-Circle bei, dann sehen wir uns schon am kommenden Montag, live und in Farbe und immer zum Thema Narzissmus und Psychologie!

Gemeinsam geht es leichter – du wirst sehen 🙂

Gründerin von Psykadia - Akademie für Psychologische Ausbildungen
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Narzissmus-Expertin

Der nächste Inner Circle Abend

Seelische Verstrickungen mit Narzissten lösen. JETZT!

  • Wann: Montag, 03. Juni - 20 Uhr
  • Wo:  Online Meeting (rechts bzw. unten eintragen, um Einladung zu erhalten)
  • Themenfokus: Wege aus dem Schatten des Narzissmus: Erkennen und Überwinden von Abhängigkeiten in Beziehungen.

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