Januar 3, 2022

Angelika Beck

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber in meiner Jugend war Verantwortung eher etwas, das man vermeiden wollte, das bedrohlich klang. So, als könne man dann keinen Spaß mehr haben, als wäre das Leben nur noch bitter und ernst.

In Wahrheit ist natürlich das Gegenteil der Fall. Willst du Einfluss auf dein Leben nehmen, geht das nur über die Verantwortung. Aber was heißt das eigentlich genau?

Bei allen Anforderungen, die das Leben so mit sich bringt, müssen wir auch Entscheidungen treffen. Selbst jetzt, am Jahresanfang, können wir überlegen, ob wir in unserem Leben etwas verändern möchten. Und auch wenn wir nichts entscheiden, ist das eine Entscheidung. Nämlich dafür, dass alles so bleibt wie es ist. Zugegeben, das ist eine Entscheidung durch Unterlassung, aber Auswirkungen hat sie allemal.

Als Kinder können wir häufig nicht abwarten, endlich erwachsen zu werden, Auto fahren zu dürfen, in die Kneipe und wählen zu können usw. Ist es dann soweit, stellen wir rasch fest, dass diese Freiheit auch einen entsprechenden Preis hat, nämlich die Verantwortung. Ich muss mir Gedanken machen, wen ich wähle und ich kann mich nicht einfach betrinken und anschließend noch Auto fahren. Alles hat seinen Preis. Ohne Verantwortung keine Freiheit und umgekehrt.

Nun ist in einer narzisstischen Beziehung die Macht immer mehr auf den Narzissten übergegangen. Das kann bedeuten, wir sind in die Opferrolle gekommen und nur noch klein und schwach. Nur noch passiv und in ständiger Angst, Fehler zu machen. So verlernen wir im Laufe der Jahre, selbst aktiv zu werden, Impulse zu setzen und durch die eigene Verantwortung dem Leben die entsprechende Richtung zu geben. Das hat natürlich einen Vorteil – wir müssen uns keine Gedanken machen, uns nicht anstrengen und keine Entscheidungen treffen. Der Narzisst macht das für uns und wir können uns darüber beschweren, Jammern und ihn permanent bei unserer besten Freundin schlecht machen. Wir haben mit allem Recht, was wir anbringen, und doch ist es eine sehr kindliche Haltung.

So als wären wir gefangen und müssten uns den Schikanen der Wärter ausgeliefert sehen. Dabei sind alle Tore offen. Aber wir sitzen in der Ecke und jammern. „Er hat schon wieder…immer macht er….ich kann nicht mehr ertragen, dass……“ usw. Wir haben, wie gesagt, mit allem Recht, nur bringt uns das keinen Meter weiter.

Was würde uns weiter bringen? Du ahnst es schon – die Verantwortung übernehmen, das würde uns weiter bringen! Kein Opfern mehr sein – das wäre ein gutes Mantra für 2022! Aber – wenn ich selbst die Verantwortung für mein Leben übernehme, dann kann ich keinem anderen mehr die Schuld dafür in die Schuhe schieben, wenn die Dinge nicht funktionieren. Dann bin ich ja selbst dafür verantwortlich. Ist es vielleicht einfach bequemer, die Schuld dem Partner zu geben und so Opfer bleiben zu können? Ein Leben im Jammertal, passiv, klein, schwach und klagend? Anstatt aufrecht, bestimmend, verantwortlich?

Wenn ich die Verantwortung für mein Leben übernehme, dann bin ich selbst der Gradmesser. Bin ich erfolgreich, glücklich, reich, am Ziel meiner Träume, für all diese Antworten bin ich ver-antwort-lich! Ist das nicht spannend? Könnte es also sein, dass ich mir einfach nicht zutraue, mein Leben in die Hand zu nehmen und so dem Glück auf die Sprünge zu helfen? Könnte es sein, dass ich als Kind die Erfahrung gemacht habe, dass ich es gar nicht erst versuchen muss, weil ich eh scheitere? Weil der oder die anderen stärker sind?

Dann wäre es JETZT an der Zeit, diese Erfahrung zu revidieren. Wir müssen ja nicht gleich den ganz großen Bogen schlagen und alles in die Tonne treten. Wir können ja erst einmal mit definierten Feldern beginnen und so langsam in die Verantwortlichkeit hineinwachsen. Wichtig ist doch, dass wir einen Unterschied bilden zu unserem seitherigen Verhalten. Dass wir aktiv aus der Opferrolle aussteigen wollen, obwohl wir beim Narzissten bleiben könnten und so Anklagepunkte bis ans Lebensende finden würden. Wir könnten bis ins Grab Beschwerden vorbringen, die allesamt gerechtfertigt wären, aber wo wäre da der Sinn? Wo bliebe da die Erfüllung? Will ich auf meiner eigenen Beerdigung wirklich hören, wie kolossal leidensfähig ich war? Zwar ein Leben lang unglücklich, aber berechtigt? Kann das das Ziel sein?

Wir gehen häufig großzügig mit unserer Lebenszeit um, weil sie irgendwie unbegrenzt erscheint. Selbst wenn wir gehäuft von Todesfällen hören, es trifft ja nur die anderen. Nimm dir mal ein Metermaß zur Hand und zieh von 100cm das ab, was du an Lebenszeit schon verbracht hast. Was willst du mit dem Rest nun anfangen? Daselbst wie bisher? War es dann am Ende ein gelungenes Leben? Das Leben, das du führen wolltest? Hast du was gemacht aus dem Geschenk des Lebens?

Es gibt keine Entschuldigung fürs Opfer-sein! Wir können uns für den Ausstieg entscheiden, das ist gar keine Frage. Dass er manchmal schwer fällt und länger dauern kann, auch das ist richtig. Aber kein Argument kann uns in Sklaverei halten, wenn wir es nicht wollen. Bedeutet also: Übernimm Verantwortung! Gestalte dein Leben und hör auf, Opfer zu sein! Hör auf, Opfern zu sein!

Wer du bist und was du willst, das hast du vielleicht an der Seite des Narzissten vergessen oder verlernt. Vielleicht hast du es auch noch nie gewusst, weil du sehr dominante Eltern hattest, die dir keinen Raum dafür gewährt haben. ABER – es ist in jedem Alter möglich, sich auf die Suche nach sich selbst zu machen, nach dem eigenen Sinn des Lebens! Und ich verspreche dir – es wird die aufregendste Reise, die du jemals gemacht hast! Übernimm Verantwortung – und bleib kein Opfer!

Happy New Year und das Ende aller Qualen wünsche ich dir! Du hast es in der Hand! Sei du die Veränderung, die du dir wünschst und fange an, deine Kräfte zu entfalten und das Fliegen zu lernen 🙂

Über Angelika

Angelika ist Heilpraktikerin der Psychotherapie und Expertin für Narzissmus. Seit Jahren hilft sie Betroffenen aus der Narzissmus -Falle.

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