von Angelika Beck

Narzissten haben allesamt ein extrem defizitäres Selbstregulationssystem. Sie sind nicht in der Lage, sich ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und sie sind nicht imstande, ihre Stimmungen und Launen aus sich selbst heraus zu regulieren. Im Gegenteil: Sie leben jede Gefühlsschwankung unkontrolliert aus und lassen alle Impulse frei heraus. Egal ob es sich um Traurigkeit handelt, dann wollen sie vom Anderen getröstet werden oder um Wut, dann soll der Partner diese abfedern.

Für eine gesunde Partnerschaft ist es unablässig, dass beide Partner gleichermaßen in der Lage sind, sich zu einem hohen Maße selbst zu nähren und mit ihren Emotionen erwachsen umzugehen. Kleine Kinder brüllen ihren Ärger und ihren Frust heraus, Erwachsene sollten dafür Kompetenzen entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, unangemessene Impulse zu unterdrücken, bzw. anderweitig mit ihnen fertig zu werden. Da Narzissten von einem überhöhten Selbst ausgehen, also mit einer Arroganz ausgestattet sind, die es ihnen erlaubt, jegliche Belastung an andere weiterzugeben, kommen sie gar nicht auf die Idee, selbst für ihren Emotionshaushalt zuständig zu sein. Es ist ja viel einfacher, den eigenen Müll in den Eimer eines Anderen zu werfen.

Was macht das mit dir, wenn du einen narzisstischen Partner hast?

Eine Partnerschaft besteht im Grunde aus 3 Beziehungselementen. Die Beziehung von Person A zu sich selbst, die Beziehung von Person B zu sich selbst und die Beziehung von Person A und B zueinander. Wenn jeder seine Hausaufgaben macht und die Verantwortung für sich selbst übernimmt, kann durchaus eimal Person A Person B regulieren und umgekehrt. Es kommt auf das Maß an, wie fast immer. Natürlich tröstet man den Partner, wenn dieser traurig ist, aber – und das ist entscheidend – nicht zu 100% und vor allem nicht einseitig.

In narzisstischen Beziehungen ist immer und ausschließlich das Opfer für alle 3 Emotionselemente verantwortlich. Es muss sich selbst regulieren, den Partner und die Beziehung. Eigene Ansprüche dürfen nie gestellt werden, denn dafür gibt der Narzisst sich nicht her. Um also jederzeit gewappnet zu sein und Gewehr bei Fuß zu stehen, müssen die Opfer nicht nur die eigenen Schwankungen im Leben abfangen und regulieren, sondern auch die des Partners. Rücksichtslos und ohne jegliches Einfühlungsvermögen greift der Narzisst in seiner Launenhaftigkeit auf das Opfer zurück mit dem Anspruch, es möge ihn wieder in einen guten Zustand bringen. „Mach mich wieder ruhig, mach mich wieder fröhlich, gleiche mich aus, nimm mir meine Wut und stell dich uneingeschränkt für all meine Launen zur Verfügung“.

Dies stellt zweifelsohne eine völlige Überforderung für das Opfer dar. Es ist, als hätte man ein trotziges Kind zu Hause, das niemals erwachsen wird und auch niemals auszieht. Sobald der Narzisst den Raum betritt, droht nicht nur Gefahr, sondern auch der Anspruch zu wissen, zu spüren, was er braucht, will oder loswerden muss. Es kehrt für das Opfer niemals Ruhe ein und da Narzissten ein wahres Feuerwerk an Emotionsschwankungen sein können, bleibt irgendwann keine Kraft mehr für eigene Belange.

Wir werden im Laufe der Jahre für diesen Missbrauch bezahlen Mit unserem kaputten Nervensystem, mit Krankheiten, Ungeduld und Burnout. Der Narzisst ist fein heraus, denn er hat keine Kraft für uns aufgewandt, ja, nicht einmal für sich selbst. Und das ist im Kern die Verantwortungslosigkeit, mit der Narzissten Beziehungen führen. Sind noch Kinder im Familiensystem, ist das Opfer angehalten, auch diese zu schützen und zu regulieren. Wir sind also wie ein Dompteur in einem Käfig mit lauter wilden Löwen. Irgendwann resignieren wir und lassen die Meute über uns herfallen. Wir sind am Boden.

Wer nicht bereit ist, seinen partnerschaftlichen Anteil in einer Beziehung zu übernehmen und sich um seine Schwankungen selber zu kümmern, der ist auch nicht beziehungsfähig. Er ist eine Last und eine Zumutung für jeden potenziellen Partner und es ist vollkommen unsozial, diese Last dem Partner einfach aufzubürden. Natürlich können wir tausend Entschuldigungen finden, warum der Narzisst sich nicht beherrschen kann, warum er säuft oder schreit oder schlägt, warum er manipuliert, bestraft und unbeherrscht ist, aber wir haben es mit einem erwachsenen Menschen zu tun, von dem wir ein erwachsenes Verhalten erwarten können. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, muss er sich Hilfe holen. Leider ist der Stand der, dass sich überwiegend, besser gesagt fast ausschließlich, die Opfer irgendwann Hilfe holen, weil sie einfach nicht mehr können. Ihre Kraft ist verbraucht und sie versuchen immer noch, obwohl sie schon am Boden liegen, das wilde Tier zu zähmen.

Vielleicht hat das Opfer schon im Elternhaus erlebt, dass die Mutter den Vater regulieren musste, dass auch diese ihre eigenen Bedürfnisse zurücksteckte zugunsten des Narzissten. Vielleicht haben wir da schon ein Täter-Opfer-Modell kennengelernt und es nie anders gesehen. Vielleicht waren wir auch selbst das Opfer eines narzisstischen Elternteils und kommen gar nicht auf die Idee, dass es auch anders gehen könnte und dass all dies ungesund und toxisch ist. Das mag sein, und doch sind wir heute erwachsen, können reflektieren, uns informieren und in eine Selbstliebe hineinwachsen, die uns nicht von Anfang an mitgegeben wurde.

Wir sind heute verantwortlich für das, was man mit uns machen darf und was nicht. Wir sind heute dafür zuständig, dass der Partner anständig mit uns umgeht und wenn er das nicht kann oder will, dass wir die Konsequenzen ziehen. Nicht mit Worten, nicht mit Drohungen, sondern mit Taten.

Wir werden den Anderen nicht ändern. Dazu wären Narzissten auch gar nicht gewillt, es wäre ihnen viel zu anstrengend und außerdem sehen sie bei sich selbst keinerlei Notwendigkeit dafür. Schließlich ist es wesentlich einfacher, ein neues Opfer zu suchen, das die leidige Aufgabe übernimmt, all seine Lauen, Ausbrüche und Bestrafungen abzufedern und auszuhalten. Er hält sich selbst nicht aus, deshalb soll es jemand anderes tun.

Und willst du diese Person sein? Dieses Opfer, das dem hohen Herren oder der gnädigen Dame zu Diensten steht? Tag und Nacht? Jahr um Jahr? Um am Ende vielleicht geschwächt, krank, leer und pleite aus dem Ganzen hervorzugehen? Ist das deine Vorstellung von Liebe und von Beziehung?

Wenn nicht, dann ändere etwas und schau der Wahrheit ins Gesicht. Es ist überhaupt nicht schlimm, auf einen Narzissten hereinzufallen. Das kann nun wirklich jedem passieren. Aber es ist schlimm, dies zu erkennen und dennoch weiterhin darin zu verharren. Du bist nicht sein Dienstmädchen und du bist nicht sein Prellbock! Dafür bist du nicht auf der Welt und dieser Aufgabe solltest du dich niemals verschreiben.

Eure Beziehung funktioniert nur, weil du mitspielst und sie funktioniert nur, solange du mitspielst. Sobald du Forderungen stellst und nicht mehr als Mülleimer zur Verfügung stehst, wird er sich eine neue Partnerin suchen oder dich betrügen. Er braucht immer jemanden, der diese Aufgabe übernimmt. Darum noch einmal ganz klar. Du bist nicht dazu da, damit der Narzisst sein selbstgefälliges und unsoziales Leben führen und dich ausbeuten kann.

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