Warum du nicht gegen den/die Narzissten/in ankommst…..

Warum du nicht gegen den/die Narzissten/in ankommst…..

ODER „Immer, wenn wir unangemessen auf eine Situation reagieren, steckt eine ÜBERTRAGUNG in unserem Verhalten.“

Stell dir vor, dein Partner schreit dich an und du bleibst wie angewurzelt stehen und bringst kein Wort heraus…. Oder dein Partner beschimpft dich auf wirklich üble Weise, wirft dann die Tür zu und verlässt die Wohnung. Er kommt auch die ganze Nacht nicht wieder nach Hause. Am nächsten Morgen rufst DU ihn an oder sendest eine WhatsApp, um dich zu entschuldigen oder zumindest wieder Frieden zu schließen.

Beide Reaktionen sind völlig unangemessen auf das, was vom Partner vorausgegangen war. Unser Kopf weiß das auch, wir gehen selbst mit uns ins Gericht und sagen: „Warum renne ich ihm denn hinterher, wenn ER es ist, der mich beleidigt!“ Oder: „Warum wehre ich mich nicht, wenn er mich anschreit. Mir fällt in dem Moment überhaupt nichts ein, was ich sagen könnte. Erst ein paar Stunden/Tage später, da wüsste ich, was ich ihm am liebsten an den Kopf geworfen hätte, aber da ist es schon zu spät!“

Wir alle kennen solche Situationen. Beispiele, in denen wir uns irrational verhalten, unangemessen reagieren, davon gibt es genug, wenn wir mit einem Narzissten zusammen sind. Lustigerweise ist es sogar nicht nur bei uns so, sondern auch beim Narzissten selbst. Auch er hat in seinem Verhalten Übertragungen. Ein Beispiel: Als Kind wurde er immer angeschrien, wenn er zu spät nach Hause kam. Vielleicht bekam er sogar Prügel dafür. Kommt er nun heute später von der Arbeit und du machst ihm Vorwürfe oder fragst nur: „Warum kommst du denn so spät?“, dann kann es sein, dass er total ausrastet. Er „verwechselt“ dich dann sozusagen mit seiner Mutter, also mit der Situation von früher.

Immer, wenn wir unangemessen, also übertrieben oder untertrieben, auf eine Situation reagieren, steckt ein Erlebnis von früher dahinter. Wir wehren uns z. B. nicht gegen die Beleidigungen des Narzissten, weil wir als Kind erlebt haben, dass wir gegen die Wut von Vater oder Mutter nicht ankamen. So haben wir gelernt, zu resignieren und den Mund zu halten. Wir lassen das Geschrei über uns ergehen. Bestimmt haben wir uns als Kind gewehrt, haben widersprochen oder sind aus dem Zimmer gegangen, aber als diese Reaktion nicht erfolgreich war, weil wir dann noch viel mehr Schelte einstecken mussten, dann erst sind wir zu dem Schluss gekommen – unbewusst natürlich – dass schweigen und über-sich-ergehen-lassen der einfachere Weg ist. Unser Gehirn unterscheidet bei Triggern nicht, ob wir uns in der Gegenwart oder in der Vergangenheit befinden. So stehen wir also hilflos vor dem Narzissten und unser Reaktionsmuster aus der Kindheit läuft ab.

Damit verschieben sich die Grenzen immer weiter

Der Narzisst wird immer mehr die Oberhand gewinnen und seine Wut steigern. Aber denke daran, auch er spielt ein Szenario aus seiner Kindheit nach. Dabei gibt es 2 Möglichkeiten: Wenn er als Kind unterdrückt wurde, so ist es möglich, dass er heute sein Gegenüber, also dich, unterdrückt. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Da du gelernt hast, in deiner Kindheit, dass du bei Wut machtlos bist, wirst du passiv bleiben. Vielleicht versuchst du, den Narzissten zu beruhigen, weil du dieses Verhalten bei deiner Mutter oder deinem Vater gesehen hast. So lernen wir am Modell unserer Eltern.

Wenn du dich in den obigen Zeilen wiedererkennst und wenn du dir sagst, dass du keine Lust darauf hast, dich als Prellbock für den Narzissten zur Verfügung zu stellen (der dich in diesen Fällen mit dem Aggressor aus seiner Familie „verwechselt“) oder wenn du sagst, ich möchte endlich über mehr Kompetenz verfügen als nur zu schweigen, dann greif doch diesen Artikel als Impuls auf. Es ist in jedem Alter möglich, Verhaltensweisen zu verändern.

Zuerst einmal müssen wir unser destruktives Verhalten entlarven. Wir müssen hinschauen und klar benennen, wann wir uns wie fühlen, welche Reaktionen wir an den Tag legen und welche davon wir verändern wollen. Dann studieren wir alternative Verhaltensweisen ein. Z. B. kann ich das Zimmer verlassen, wenn mein Partner anfängt zu schreien. Dieses neue Verhalten muss zuerst einmal mit einer Person einstudiert werden, von der wir nichts zu befürchten haben. Ihr könnt das beispielsweise mit eurer Therapeutin machen. Wenn unser Nerven- und Körpersystem die neue Reaktionsweise genügend erlernt hat, wird sie auch in Stresssituationen mit dem Narzissten funktionieren.

Es ist unglaublich befreiend, wenn wir die alten Schatten loswerden und über mehr Handlungsoptionen verfügen. Es macht uns stärker und bringt uns aus der Hilflosigkeit. Wir können aktiv werden und Situationen mit gestalten. Das Gleiche gilt für Glaubenssätze, die in uns schlummern und destruktiv sind. Auch diese können wir verwandeln in zeitgemäße und hilfreiche Überzeugungen, die HEUTE zu uns passen. Das gelingt mit der sogenannten Kognitiven Umstrukturierung. Dazu werde ich einmal gesondert einen Artikel verfassen. Es ist wirklich nicht schwierig und es nimmt nicht so viel Zeit in Anspruch, wie du vielleicht glaubst. Die daraus gewonnene Freiheit und das daraus resultierende Selbstbewusstsein ist es allemal wert. Das Gefühl, nichts tun zu können und ausgeliefert zu sein, schwindet mit jedem Baustein, den wir in unsere Selbstwirksamkeit investieren. Ich wirke selbst auf mein Leben ein! Das ist doch eine gigantische Aussicht! Nicht leiden, sondern handeln. Nicht abwarten, sondern machen! JETZT!

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